Thunfische auf Hochtouren
Montag, 20. August 2007, 16:17 • Rubrik Biologie.
Thunfische haben große Ähnlichkeit mit Rennwagen, belegen Messungen eines australischen Biologen. Die großen Jäger sind nicht nur schnittig gebaut und schnell unterwegs, sie haben auch einen enormen Energiehunger.

Quinn Fitzgibbon bugsiert eines seiner Versuchsobjekte in den 350-Tonnen-Mesokosmos. Foto: The University of Adelaide
Der in den südlichen Ozeanen heimische Blauflossenthun hat einen dreimal höheren Sauerstoffverbrauch als Fische ähnlicher Größe, ermittelten Quinn Fitzgibbon von der University of Adelaide und seine Kollegen. “Aufgrund ihres hohen Sauerstoff- und Energiebedarfs vergleichen wir die Art gerne mit den V8-Rennwagen der Fischwelt”, erklärt der Biologe. “Ihre hochgezüchtete Maschine erlaubt fantastische Leistungen, benötigt aber viel Treibstoff und ist kostspielig im Unterhalt.”
Eine Reihe von Anpassungen macht Thunfische zu erfolgreichen Jägern. Die Fische heizen nicht nur ihr Blut auf, dank verschiedener Muskeltypen können sie auch von Ausdauerschwimmen auf explosive Sprints umschalten. Derart flexibel, könnten Thunfische optimal auf die unregelmäßige Verteilung ihrer Beute reagieren, so Fitzgibbon. Allerdings erfordere die ständige Alarmbereitschaft einen hohen Stoffwechselumsatz. Dies erschwere wiederum die Haltung in Fischfarmen.
Foto: Adam Watkins / The University of Adelaide
Wie schnell der Stoffwechsel der Fische läuft, ermittelten Fitzgibbon und Kollegen mit einem überdimensionalen “Wasserbett”. Die Forscher brachten eine gasdichte Polypropylen-Hülle mit 350 Tonnen Fassungsvermögen in einer Fischfarm aus. Nachdem sich die Hülle mit Wasser gefüllt hatte, bugsierten sie einige Thunfische durch spezielle Schleusen hinein und verfolgten, wie sich der Sauerstoffgehalt in dem Mesokosmos veränderte.
Selbst dann, wenn die Fische ruhig umherschwammen, verbrauchten sie 460 Milligramm Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde, ermittelten die Forscher. Dieser Wert ist ähnlich hoch wie bei einem erwachsenen Menschen mit seinem warmen Blut und anspruchsvollen Gehirn. Wurden die Fische mit Sardinen gefüttert, stieg ihr Umsatz auf beinahe das Dreifache des Ruhewertes.
Vor allem in der japanischen Küche sehr begehrt, steht der Blauflossenthun in der freien Wildbahn kurz vor dem Aussterben. Derweil produzierten allein die australischen Fischfarmen jährlich Blauflossenthun im Wert von umgerechnet 180 Millionen Euro, so die Forscher. Die neuen Resultate könnten helfen, die Haltungsbedingungen in den Farmen und damit Produktivität und Ertrag zu optimieren.
Forschung: Quinn P. Fitzgibbon und Roger S. Seymour, School of Earth and Environmental Sciences, University of Adelaide, Adelaide, South Australia; und andere
Veröffentlichungen Comparative Biochemistry and Physiology A, DOI 10.1016/j.cbpa.2006.08.046; Journal of Experimental Biology, Vol. 210, pp 290-8, DOI 10.1242/jeb.02641
WWW:
Earth and Environmental Sciences, University of Adelaide
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