Posted in: Astronomie 15. August 2007 19:01 Weiter lesen →

Stern mit Schleppe

Der Doppelstern Mira trägt seinen Namen mit Fug und Recht. Amerikanische Astronomen haben entdeckt, dass „die Wunderbare“ eine Spur verwirbelten Wasserstoffs im All hinterlassen hat. Das angeregte Gas sendet ultraviolettes Licht aus und bildet so eine 13 Lichtjahre lange, glimmende Schleppe.

Ansicht der gesamten Gasschleppe als bläulicher Schleier vor schwarzem Hintergrund mit einigen Sternen

Das Kielwasser der Mira hat eine Länge von gut 13 Lichtjahren. Zum Vergleich: Von der Erde bis zum nächsten Stern sind es etwa 4 Lichtjahre. Bild: NASA/JPL-Caltech

Das Gas wird verwirbelt, indem Mira mit 130 Kilometern pro Sekunde durch die interstellare Materie pflügt. Gemessen an der Länge des Kielwassers, spiegelten lokale Variationen seiner Ausdehnung und Dichte die Aktivität des Doppelsterns in den letzten 30.000 Jahren wieder, erläutern die Forscher um Christopher Martin vom California Institute of Technology im Magazin „Nature“.

Martin und Kollegen entdeckten das glimmende Gas mit Hilfe des Weltraumteleskops Galaxy Evolution Explorer. Bei der routinemäßigen Durchsicht aus der Erdumlaufbahn empfangener Bilder stellten sie eine Art Nebelschleier nahe der Position Miras fest. Daraufhin angefertigte Langzeitaufnahmen des Doppelsterns und seiner Umgebung enthüllten das wahre Ausmaß der Spur.

Ausschnittsvergrößerung zeigt den Kopf der Schleppe samt Bugwelle

Bei Mira handelt es sich um ein Binärsystem, bestehend aus einem alten, pulsierenden Stern und vermutlich einem Weißen Zwerg, das mit gut 130 Kilometern pro Sekunde durch das interstellare Medium pflügt. Bild: NASA/JPL-Caltech

Besonders ausgeprägt ist das Glimmen bei ultravioletten Wellenlängen um 150 Nanometer, berichtet die Gruppe. Im infraroten oder sichtbaren Bereich sendet die Schleppe dagegen kaum Licht aus. Nach Ansicht der Forscher geht sie auf Wasserstoff zurück, der von der pulsierenden Komponente Mira A ins All geblasen wird. Dieser Wind werde von der „Bugwelle“ des Doppelsterns abgelenkt, verwirbelt und energetisch angeregt.

Dabei scheine sich der Wasserstoff jedoch nicht allzu stark aufzuheizen, so Martin und Kollegen. Andernfalls würde er sich nämlich stärker in die Umgebung ausbreiten und nicht jene schmale, elegante Schleppe bilden, wie sie die Aufnahmen zeigen.

Forschung: D. Christopher Martin und Tom A. Barlow, Department of Physics, Mathematics and Astronomy, California Institute of Technology, Pasadena; Mark Seibert, Observatories of the Carnegie Institution of Washington, Pasadena, Kalifornien; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 448, 16. August 2007, pp 780-2, DOI 10.1038/nature06003

WWW:
Space Astrophysics Laboratory, Caltech
Galaxy Evolution Explorer
Veränderliche Sterne
Spätphasen der Sternentwicklung
History of Mira’s Discovery

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Alte Sterne bekommen Runzeln
Galaxie mit Gasfahne
Galaxie schlägt Wasserstoff-Welle

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