Scienceticker Astro Scienceticker Umwelt

Speisefisch verspeist Malaria-Überträger

Donnerstag, 9. August 2007, 12:32 • Rubrik Biologie, Medizin.

Ein beliebter Speisefisch könnte im Kampf gegen die Malaria helfen, lassen Experimente einer internationalen Forschergruppe in Kenia vermuten. Setzten sie den Nilbuntbarsch in ausgediente Fischteiche, ging die Zahl der Larven von Malaria-Moskitos im Teichwasser um mehr als 94 Prozent zurück.

Besonders ausgeprägt war der Rückgang im Falle der Mückenarten Anopheles gambiae und A. funestus, den bedeutendsten Überträgern in der Region, fanden Annabel Howard vom International Centre for Insect Physiology and Ecology in Nairobi und ihre Kollegen. Gemessen an diesem Effekt, scheine der Nilbuntbarsch “ein nachhaltiges Werkzeug zur Eindämmung der Malaria und gleichzeitig eine Protein- und Einkommensquelle für die Landbevölkerung darzustellen”, folgert die Gruppe im Fachblatt “BMC Public Health”.

Laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken jährlich 500 Millionen Menschen an der Malaria, etwa 1 Million von ihnen stirbt an den Folgen. Die verantwortlichen Plasmodium-Parasiten werden durch Mückenstiche übertragen, sodass die Insekten ein lohnendes Ziel zur Eindämmung der Krankheit darstellen. Angesichts drohender Resistenzen gegen Insektizide wird verstärkt nach biologischen Bekämpfungsmethoden gesucht.

Die sich im Wasser entwickelnden Mückenlarven werden von vielen Fischen gefressen, unter anderem von dem Nilbuntbarsch (Oreochromis niloticus). Versuchsweise besetzten Howard und Kollegen im westkenianischen Hochland zwei flache Fischteiche mit den Larvenvertilgern. Regelmäßige Untersuchungen zeigten, dass die Zahl der Anopheles-Larven in den Teichen – verglichen mit einem nahe gelegenen Kontrollteich – binnen 15 Wochen um über 94 Prozent sank. Auch die Larven der Mückengattung Culex und verwandter Gattungen wurden um gut 75 Prozent dezimiert.

Neben Teichen nutzen Moskitos eine Vielzahl von Wasserflächen zur Vermehrung, beispielsweise kleine Pfützen, wie sie ein Regenguss in ausgedienten Autoreifen und Fässern hinterlässt. Wie stark sich der Fischbesatz letztlich auf die Zahl der ausgewachsenen Insekten auswirke, sei daher noch unklar, räumen Howard und Kollegen ein. Angesichts der Effizienz des Nilbuntbarsches sei jedoch “ein merklicher Effekt auf die Population ausgewachsener Moskitos in dem Gebiet wahrscheinlich”.

Forschung: Annabel F.V. Howard und Francois X. Omlin, Human Health Department, International Centre of Insect Physiology and Ecology (ICIPE), Nairobi, Kenia, und Guofa Zhou, Program in Public Health, College of Health Sciences, University of California, Irvine

Veröffentlichung BMC Public Health

WWW:
International Centre of Insect Physiology and Ecology
Oreochromis niloticus
Malaria-Portal der WHO
Malaria Vector Control in Africa: Strategies and Challenges

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Springspinne jagt Malaria-Moskitos
Zell-Zombies schmuggeln Malaria-Erreger


Möchten Sie den Beitrag bewerten?

SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading ... Loading ...

Empfehlen Sie den Text weiter! Empfehlen Sie den Text weiter!

Drucken Drucken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

Copyright © 2012 by Stefan Jacobasch und Carsten Meinke (Impressum) | Template by Gabfire themes
Real Time Web Analytics