Genetik einer Invasion
8. August 2007 |
Genetische Eintönigkeit muss einer biologischen Invasion nicht im Wege stehen. Das zeigt das Beispiel des kürzlich in das Mittelmeer eingewanderten Flötenfischs. Sich rasch in ihrer neuen Heimat ausbreitend, könnten die Invasoren auf lediglich zwei Weibchen zurückgehen, berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachblatt “Biology Letters”.
Glatter Flötenfisch (Fistularia commersonii). Bild: Wikipedia
Aus dem Roten Meer kommend, scheine die Art mit dem Suezkanal auch ein genetisches Nadelöhr passiert zu haben, schreiben die Forscher um Daniel Golani von der Hebräischen Universität Jerusalem. Ein solcher Verlust an genetischer Vielfalt gelte gemeinhin als hinderlich für die Ausbreitung in einer neuen Umgebung. Des ungeachtet habe es der Flötenfisch inzwischen bis in die Ägäis und nach Sizilien geschafft.
Bis zu 1,6 Meter lang und mit seinem nadelförmigen Körperbau gut zu erkennen, war der Flötenfisch (Fistularia commersonii) im Januar 2000 erstmals im Mittelmeer vor Israel gesichtet worden. Um mehr über die Hintergründe seiner Ausbreitung zu erfahren, analysierten Golani und Kollegen das Mitochondrien-Erbgut von 49 Exemplaren aus dem alten Verbreitungsgebiet und von 52 Exemplaren aus dem Mittelmeer. Während in der ersten Gruppe beinahe jedes Tier eine andere DNA-Sequenz aufwies, fanden sich in der Invasorengruppe lediglich zwei verschiedene Sequenzen.
Die Mitochondrien-DNA wird praktisch ausschließlich mütterlicherseits vererbt. Daher sei es durchaus denkbar, dass neben einigen Männchen lediglich zwei weibliche Flötenfische durch den Suezkanal gekommen seien, folgern Golani und Kollegen. Bei anderen Fischarten, die schon vor vielen Jahrzehnten den 1869 eröffneten Kanal passiert haben, war dagegen keine unterschiedliche genetische Diversität festgestellt worden. Möglicherweise werden sich die Verhältnisse auch beim Flötenfisch angleichen, indem immer wieder einzelne Individuen den Weg nach Norden finden.
Forschung: Daniel Golani, Department of Evolution, Systematics and Ecology, Hebrew University of Jerusalem, Jerusalem; Ernesto Azzuro, Central Institute for Marine Research, Milazzo; Giacomo Bernardi, Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of California - Santa Cruz, Santa Cruz; und andere
Veröffentlichung Biology Letters, Doi 10.1098/rsbl.2007.0308
WWW:
Evolution, Systematics and Ecology, Hebrew University of Jerusalem
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