Posted in: Astronomie 7. August 2007 12:05 Weiter lesen →

Galaktische 4er-Kollision

Eine spektakuläre Galaxienkollision haben amerikanische Astronomen erspäht. Ihre Aufnahmen zeigen, wie in der Tiefe des Alls gleich vier große Galaxien ineinander rasen und dabei Milliarden Sterne in die Umgebung katapultieren.

Kombibild zeigt vier gleißend helle Flecken in einer hellen Wolke, umgeben von vielen orangenen Flecken

Der Ort des Geschehens, gesehen von den Teleskopen Spitzer (Infrarot: Rot), WIYN (sichtbar: Grün) und Chandra (Röntgenstrahlung: Blau). Während die Umgebung unauffällig erscheint, geht von den vier kollidierenden Galaxien Strahlung verschiedenster Wellenlängen aus. Bild: NASA/JPL-Caltech/K. Rines (Harvard-Smithsonian CfA)

„Aus dieser Verschmelzung wird schließlich eine der größten Galaxien im Universum hervorgehen“, erklärt Kenneth Rines vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Die vier kollidierenden Galaxien besitzen zusammen etwa die zehnfache Masse der Milchstraße, berichten der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Kollisionen von Galaxien sind keine Seltenheit und stellen nach Ansicht von Astronomen einen der wichtigsten Mechanismen für das Wachstum großer Galaxien dar. Der neu entdeckte Zusammenstoß stütze diese Ansicht, so Rines. Auch die heimische Milchstraße dürfte in einigen Milliarden Jahren mit ihrer Nachbarin, der Andromedagalaxie, verschmelzen.

Rines und Kollegen entdeckten die Titanenkollision rein zufällig, als sie mit dem Weltraumteleskop Spitzer einen Galaxienhaufen in knapp fünf Milliarden Lichtjahren Entfernung studierten. Ihre Infrarotaufnahmen offenbarten eine fächerförmige Struktur, deren Ausgangspunkt in einer dichten Ansammlung von vier elliptischen Galaxien liegt. Beobachtungen mit weiteren Teleskopen ergaben, dass der Fächer aus Myriaden alter Sterne besteht, die bei der engen Begegnung der Galaxien ins All geschleudert worden sind.

Von der Schwerkraft wie von Gummizügen gehalten, wird die Hälfte dieser Sterne letztlich wieder in die Galaxien stürzen, vermuten Rines und Kollegen. Gemessen an dem wenigen erkennbaren Gas, dürften als Folge des Zusammenstoßes allerdings kaum neue Sterne entstehen.

Forschung: Kenneth J. Rines und Alexey Vikhlinin, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; Rose A. Finn, Department of Physics, Siena College, Loudonville, New York

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 665, pp L9-L13, DOI 10.1086/521102; Preprint arXiv:0708.0011

WWW:
Homepage Kenneth Rines
Evolution of Galaxies
Spitzer Space Telescope

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