Posted in: Biologie, Chemie, Sport 6. August 2007 10:25 Weiter lesen →

Fledermaus mit Rekord-Effizienz

Eine südamerikanische Fledermaus verbrennt ihre Nahrung schneller als jedes andere Tier, hat ein deutsch-schottisches Biologenduo ermittelt. Die Nektar saugenden Tiere können ihren Stoffwechsel allein mit kurz zuvor aufgenommenen Zucker betreiben. Auf diese Weise umgehen sie die Energieverluste beim Speichern und erneuten Mobilisieren der Kohlenhydrate.

Binnen Minuten nach der Mahlzeit taucht der im Nektar enthaltene Kohlenstoff wieder in der Atemluft der Tiere auf, berichten Christian Voigt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und John Speakman von der University of Aberdeen im Fachblatt „Functional Ecology“. Und nach weniger als einer halben Stunde speisten die Fledermäuse ihren Stoffwechsel zu 100 Prozent aus dieser Quelle. Dagegen können selbst die Spitzenathleten unter den Menschen höchstens 30 Prozent des aufgenommenen Treibstoffs direkt verwerten, ohne Umweg über Glykogen und Fett.

Voigt und Speakman studierten in Gefangenschaft gehaltene Fledermäuse der Art Glossophaga soricina. Nur etwa zehn Gramm leicht und mit einer langen Zunge ausgestattet, nehmen die Tiere allnächtlich das Anderthalbfache ihres Körpergewichts in Form von Blütennektar auf. Bei ihren Versuchen boten die Forscher ihnen Zuckerwasser an, in dem die Kohlenhydrate mit nicht-radioaktivem Kohlenstoff-13 markiert waren. Dann verfolgten sie, wie schnell das Kohlenstoffisotop im Kohlendioxid der ausgeatmeten Luft auftauchte.

Eine derart effiziente Verwertung ist für die kleinen Fledermäuse lebenswichtig, zeigte ein zweites Experiment der Forscher. Erhielten die Tiere keine Kohlenhydrate mehr, verbrannten sie innerhalb eines einzigen Tages gut 60 Prozent ihrer Fettreserven – und kamen so gerade eben über die Runden. Umso schwerwiegender seien die Folgen, wenn die hochspezialisierten Säuger durch Veränderungen ihres Lebensraums von ihrer Nahrungsquelle abgeschnitten würden, betont Voigt. „Energetisch gesehen, leben die Tiere auf Messers Schneide.“

Forschung: Christian Voigt, Forschungsgruppe Evolutionäre Ökologie, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Berlin, und John R. Speakman, School of Biological Sciences, University of Aberdeen

Veröffentlichung Functional Ecology, DOI 10.1111/j.1365-2435.2007.01321.x

WWW:
Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin
Energetics Research Group, University of Aberdeen
Neuwelt-Blattnasen
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