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Warum der Wortschatz explodiert

Donnerstag, 2. August 2007, 20:01 • Rubrik Mathematik, Psychologie.

Nach einem zögerlichen Anfang beginnen Kleinkinder im zweiten Lebensjahr, geradezu explosionsartig neue Wörter zu erlernen. Für dieses Phänomen könnte es eine sehr einfache Erklärung geben, erläutert ein amerikanischer Psychologe im Magazin “Science”. Wenn mäßig schwierige Wörter häufiger seien als leichte, komme es zwangsläufig irgendwann zu einem beschleunigten Wachstum des Wortschatzes.

Bislang sei die Forschung davon ausgegangen, dass der Lernschub komplexere Ursachen habe, schreibt Bob McMurray von der University of Iowa. “Die Kinder entdecken, dass Dinge Namen haben, sie schalten auf effizientere Lernmechanismen um und sie nutzen bereits bekannte Wörter, um neue zu entdecken”, so der Psychologe. Das Einsetzen solcher Prozesse sei nicht auszuschließen. Allerdings steige die Lerngeschwindigkeit nicht stufenweise, sondern kontinuierlich.

McMurrays Modell geht davon aus, dass die Häufigkeit unterschiedlich schwieriger Wörter einer Glockenkurve folgt: Es gibt wenige sehr leichte Wörter, sehr viele Wörter mittlerer Schwierigkeit und nur wenige sehr schwierig zu erlernende Wörter. Je nach Schwierigkeitsgrad dauert es unterschiedlich lange, bis es ein Wort in den Wortschatz schafft. Gesetzt den Fall, dass Kleinkinder zeitgleich mehrere Wörter erlernen können, ergibt das Modell automatisch eine explosionsartig ansteigende Lernkurve.

Als Indikator für die “Schwierigkeit” eines Wortes könne die Häufigkeit dienen, mit der es in der Alltagssprache verwendet werde, schlägt McMurray vor. Selbst wenn man annehme, dass das Erlernen eines Wortes eine fixe Mindestzahl an Expositionen brauche, ergebe sich wieder die rapide ansteigende Lernkurve. “Mathematisch betrachtet, werden Kinder unter Garantie einen solchen Lernschub erfahren, solange einige Bedingungen erfüllt sind”, so der Forscher.

Forschung: Bob McMurray, Department of Psychology, University of Iowa, Iowa City

Veröffentlichung Science, Vol. 317, 3. August 2008, p 631, DOI 10.1126/science.1144073

WWW:
Homepage Bob McMurray
- Word Learning
Glockenkurve und Normalverteilung
Wie können Eltern ihren Kindern beim Spracherwerb helfen?
Spracherwerb

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