Antibiotika aus dem Bienenstock
Donnerstag, 2. August 2007, 17:07 • Rubrik Biologie, Chemie.
Wo Individuen eng an eng leben, können sich Krankheitserreger besonders leicht ausbreiten. Entsprechend wirksam ist der antimikrobielle Schutzschild von Bienen, haben australische Biologen ermittelt. Die chemische Abwehr staatenbildender Arten ist mindestens zehnmal wirksamer als die von einzelgängerischen Arten.
Foto: University of Illinois
Sozial lebende Bienen, Ameisen oder Termiten könnten daher von großem Nutzen für die Entwicklung neuartiger Antibiotika sein, glauben Andrew Beattie von der Macquarie University in Sydney und seine Kollegen. Dies sei umso wichtiger, als viele Krankheitserreger mittlerweile Resistenzen gegen die seit Jahrzehnten eingesetzten Wirkstoffe und deren Varianten entwickelt hätten.
Insekten imprägnieren ihren Chitinpanzer mit Kohlenwasserstoffen, die unter anderem der Abwehr von Mikroben dienen. Beattie und Kollegen testeten die Hypothese, dass dieser Überzug bei Bienen, die in dichten Gruppen leben, besonders effektiv sein sollte. Dazu isolierten die Forscher die Schutzsubstanzen von je 20 Individuen aus sechs Bienenarten und testeten die Hemmwirkung auf Bakterien der Art Staphylococcus aureus.
Im Falle einzelgängerischer Bienenarten war im Labortest die Imprägnierung von gut 300 Quadratmillimetern Chitinpanzer nötig, um das Wachstum der Staphylokokken vollständig zu unterbinden. Bei jenen Arten, bei denen zumindest eine Handvoll Individuen zusammenlebt, reichte gut ein Zehntel dieses Werts. Und bei einer Art, die Staaten mit über 1.000 Individuen bildet, lag der Wert nochmals um den Faktor Zehn niedriger, berichtete die Gruppe kürzlich im Fachblatt “Biology Letters”.
Diese Resultate verdeutlichten, wie wertvoll ökologisches Wissen für die Suche nach neuen Wirkstoffen sei, erklärt Beattie. Beim “Bioprospecting”, der Suche nach biologischen Wirkstoffen, sei die Pharmaindustrie bislang meist so vorgegangen, dass sie möglichst viele Arten aus den unterschiedlichsten Lebensräumen gesammelt und im Labor getestet habe. Bei einem solch wahllosen Vorgehen sei eine geringe Trefferquote vorprogrammiert, so der Forscher. “Wir glauben, dass wir an der vordersten Front der pharmazeutischen Forschung stehen – denn wir wissen, wo am ehesten Antibiotika zu finden sind.”
Forschung: Adam Stow, Christine Turnbull und Andrew Beattie, Department of Biological Sciences, Macquarie University, Sydney, New South Wales; und andere
Veröffentlichung Biology Letters, Vol. 3, pp 422-4, DOI 10.1098/rsbl.2007.0178
WWW:
Biodiversity & Bioresources Group, Macquarie University
Antibiotics Attack
Antibiotic / Antimicrobial Resistance
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