Posted in: Astronomie 31. Juli 2007 11:52 Weiter lesen →

Verschleierte Galaxienkerne

Viele große Galaxien bergen in ihrem Zentrum ein Schwarzes Loch, dessen Wirken enorme Mengen energiereicher Strahlung freisetzt. Doch nicht immer schafft es diese Strahlung auch in die Umgebung, lassen die Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe vermuten. In einigen Fällen scheint sie von einem dichten Schleier aus Gas und Staub geschluckt zu werden, sodass das Zentrum still und friedlich wirkt.

Illustration: Rötlich schimmernde Kugel, im Zentrum eine kleine helle Scheibe und darin ein dunkler Punkt

Einige supermassive Schwarze Löcher scheinen von einem dichten Schleier umgeben zu sein, der den Großteil ihrer Strahlung schluckt. Grafik: Aurore Simonnet, Sonoma State University.

Solche nur scheinbar inaktiven Galaxienkerne könnten relativ häufig sein, vermutet Yoshihiro Ueda von der Universität Kyoto. „Unsere Resultate deuten darauf hin, dass es eine große Zahl bislang unentdeckter, aktiver galaktischer Kerne im lokalen Universum geben muss“, erklärt der Astronom. Tatsächlich könnten diese Quellen einen beträchtlichen Teil des steten Röntgenglimmens ausmachen, von dem das Universum erfüllt sei.

Erste Hinweise auf die verschleierten Kerne waren vor zwei Jahren entdeckt worden. Damals registrierte eine Gruppe um Jack Tueller vom Goddard Space Flight Center der NASA Röntgenstrahlung von Hunderten Galaxienkernen, die im sichtbaren und ultravioletten Licht nicht erkennbar waren. Mit Hilfe des japanischen Röntgensatelliten Suzaku nahmen Ueda, Tueller und ihre Kollegen zwei dieser Strahlungsquellen nun genauer unter die Lupe. Die Resultate stellen sie in den „Astrophysical Journal Letters“ vor.

Von beiden Galaxienkernen, gut 80 bzw. 350 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt, ist demnach nur wenig Röntgenstrahlung bei niedrigen bzw. mittleren Energien nachweisbar. Gleichzeitig fanden die Forscher nur wenig Streustrahlung. Ihrer Ansicht nach sprechen diese Eigenschaften für die Annahme, dass beide Kernregionen vollständig von Schalen aus Gas und Staub umgeben sind.

Eine alternative Erklärung wäre, dass man von der Erde aus auf die Kante eines Torus aus Gas und Staub blickt, der das Schwarze Loch umgibt. In diesem Falle dürfte es in der Nähe des Schwarzen Lochs allerdings keine Gaswolken geben, die die Strahlung um den Torus „herum“ streuen könnten.

Für Astrophysik und Kosmologie seien die bislang übersehenen, gleichwohl aktiven Kerne von großer Bedeutung, betont Tueller. „Wir glauben, dass diese Schwarzen Löcher eine wichtige Kontrollfunktion bei der Bildung von Galaxien ausüben und dass sie den Materiestrom in Galaxienhaufen kontrollieren“, so der Forscher. „Man kann das Universum nicht begreifen, wenn man diese übergroßen Schwarzen Löcher und ihr Tun nicht versteht.“

Forschung: Yoshihiro Ueda und Satoshi Eguchi, Department of Astronomy, Kyoto University, Kyoto; Richard Mushotzky und Jack Tueller, NASA Goddard Space Flight Center, Greenbelt, Maryland; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 664, 1. August 2007, L79-L82

WWW:
Department of Astronomy, Kyoto University
NASA Goddard Space Flight Center
Suzaku
Active Galaxies
Supermassive Black Holes

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schwarzes Loch frisst Stern

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