Posted in: Chemie, Klima, Umwelt 30. Juli 2007 15:29 Weiter lesen →

Pinguine konzentrieren Schadstoffe

Antarktische Pinguine Wind und Wellen tragen vom Menschen produzierte Schadstoffe in die entlegendsten Regionen der Erde. Das genaue Verteilungsmuster vor Ort hängt auch von der jeweiligen Fauna ab, haben eine belgische Toxikologin und ihre Kollegen ermittelt. In Bodenproben aus Pinguinkolonien fanden sie bis zu 120 Mal höhere Schadstoffkonzentrationen als in Proben aus „pinguinfreien“ Gegenden.

Foto: Armin Rose /Fotolia

„Unsere Resultate deuten erstmals darauf hin, dass Vögel in der Antarktis eine räumliche Umverteilung von Schadstoffen im regionalen bis lokalen Maßstab bewirken“, schreiben Laurence Roosens von der Universität Antwerpen und ihre Kollegen im „Journal of Environmental Monitoring“. Dies gelte umso mehr, als die studierten Adéliepinguine keine größeren Wanderungen unternähmen. Die Schadstoffe müssten also zunächst auf anderem Wege in die Nähe des Südpols gelangt sein.

Roosens und Kollegen führten ihre Untersuchung auf Hop Island in der Nähe der australischen Forschungsstation Davis durch. Die Gruppe nahm mehrere Bodenproben aus drei Pinguinkolonien und drei Landstrichen ohne nennenswerte Pinguinaktivität. Die Laboranalysen ergaben, dass der Kolonieboden rund 100 Mal mehr Kohlenstoff enthielt – zurückzuführen auf Guano und Kadaver der Pinguine. Gleichzeitig enthielt er 10 Mal mehr Hexachlorbenzol, gut 70 Mal mehr DDT und bis zu 120 Mal mehr Chlordane und PCB.

Die Konzentrationen von Lindan und anderen Hexachlorcyclohexanen waren dagegen kaum erhöht. Offenbar gelangen diese Verbindungen vornehmlich aus der Atmosphäre in den antarktischen Boden, während die übrigen zunächst im Körper der Pinguine angereichert und teils verstoffwechselt werden, folgert die Gruppe. Das grundsätzlich sehr ähnliche Schadstoffprofil in Bodenproben einerseits und Eiern und Blutproben von Pinguinen andererseits bekräftige diese Annahme.

Forschung: Laurence Roosens und Adrian Covaci, Toxicological Centre, Department of Pharmaceutical Sciences, und Department of Biology, University of Antwerp, Wilrijk; und andere

Veröffentlichung Journal of Environmental Monitoring, DOI 10.1039/b708103k

WWW:
Toxicological Centre, Uni Antwerpen
Das „dreckige Dutzend“
Adélie Penguins

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