Posted in: Biologie 30. Juli 2007 18:09 Weiter lesen →

Angst rettet Espenlaub

Seit der Wiederansiedlung des Wolfs im Yellowstone-Nationalpark können dort wieder junge Espen nachwachsen. Der Grund dafür ist jedoch nicht etwa, dass die Wölfe besonders viele Hirsche fressen würden, haben zwei amerikanische Biologen ermittelt. Vielmehr ist es die Angst vor dem Gefressenwerden, die den Hirschen das Knabbern an den Baumschößlingen verleidet.

Ein weiterer Faktor sei, dass sich der Hirschbestand in dem Gebiet in den letzten zehn Jahren halbiert habe, schreiben William Ripple und Robert Beschta von der Oregon State University im Fachblatt „Biological Conservation“. Diese Entwicklung sei allerdings weniger auf die Wölfe als auf die Witterung und menschliche Jäger zurückzuführen.

Der Wolf war im Yellowstone-Nationalpark in den 20er-Jahren ausgerottet und erst im Jahr 1995 wiederangesiedelt worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Amerikanischen Espen (Populus tremuloides) in dem Park typischerweise jünger als 10 Jahre – und damit anfällig für äsendes Wild – oder aber älter als 80 Jahre. Eine ähnliche Alterslücke klafft auch bei Schwarzpappeln und Weiden. Folge waren eine verstärkte Bodenerosion und eine Ausdünnung der Vegetation, unter der letztlich auch Vögel und Insekten zu leiden hatten.

Seit einigen Jahren schaffen es immer mehr junge Bäume, die kritische Höhe von zwei Metern zu erreichen und ihr Blattwerk aus der Reichweite der Hirsche zu bringen, fanden Ripple und Beschta. Besonders auffällig sei die Erholung in Auenwäldern, wo sich Wölfe besonders gut an ihre Beute heranpirschen könnten und wo die Beschaffenheit des Untergrunds die Flucht erschwere. In höher gelegenen Gebieten, wo sich die Hirsche sicherer fühlen könnten, sei dagegen keine wesentliche Verjüngung der Baumbestände festzustellen.

Nach Ansicht der Forscher weist dieser Unterschied darauf hin, dass die Erholung zu einem großen Teil auf eine wiederhergestellte „Ökologie der Angst“ zurückzuführen ist. Ein weiteres Indiz liege in der Tatsache, dass die Hirschpopulation im Yellowstone heute immer noch größer sei als in den 60er-Jahren, als der Schößlingsschwund bereits im vollen Gang gewesen sei, es jedoch keine Wölfe in dem Nationalpark gegeben habe.

Forschung: William J. Ripple und Robert L. Beschta, College of Forestry, Oregon State University, Corvallis

Veröffentlichung Biological Conservation, DOI 10.1016/j.biocon.2007.05.006

WWW:
College of Forestry, Oregon State University
Trophic Cascades Program
The Ecology of Fear
Yellowstone National Park

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