Gehirnstruktur beeinflusst Sprachenlernen

26. Juli 2007 13:31

Wie leicht ein Mensch eine Fremdsprache erlernt, lässt sich am Bau seines Gehirns erahnen. Das gilt zumindest für Sprachen, bei denen die Bedeutung eines Wortes mit der Tonhöhe variiert, hat eine amerikanisch-kanadische Forschergruppe ermittelt. Ihre Probanden kamen mit Vokabeln einer tonalen Sprache besser zurecht, wenn bestimmte Gehirnwindungen bei ihnen stärker entwickelt waren.

Dieses Resultat sei umso bemerkenswerter, als die Heschlschen Querwindungen eine der ersten Umschlagstationen für die Signale des Hörnvers darstellten, erläutern die Forscher um Patrick Wong von der Northwestern University im Fachblatt “Cerebral Cortex”. Offenbar würden bereits hier Laut-Eigenschaften herausgearbeitet, die wichtig für die Sprachwahrnehmung seien.

Wong und Kollegen führten ihre Versuche mit 17 Studierenden durch, die mit Englisch als Muttersprache und ohne Kontakt zu einer tonalen Sprache aufgewachsen waren. Die Probanden paukten 18 einsilbige Vokabeln einer künstlichen Sprache. Dabei handelte es sich um 6 Silben, die mit konstanter, ansteigender oder abfallender Tonhöhe gesprochen wurden. Sobald die Teilnehmer die Vokabeln zu über 95 Prozent beherrschten oder ihre Lernkurve trotz mäßiger Vokabelkenntnisse nur noch flach verlief, wurde das Training beendet.

In der Gruppe der neun “erfolgreichen Lerner” waren die Heschlschen Querwindungen der linken Gehirnhälfte deutlich voluminöser als in der Gruppe der acht “weniger erfolgreichen”, ergab die kernspintomografische Hirnvermessung. Besonders ausgeprägt war der Unterschied im Falle der grauen Substanz, in der rechten Gehirnhälfte fanden sich dagegen keinerlei Unterschiede zwischen den Gruppen.

“Zwar zeigt unsere Studie eine Verbindung zwischen Biologie und Linguistik auf”, erklärt Wong, “wir sagen jedoch nicht, dass das Lernen einer Fremdsprache rein biologisch bestimmt wird.” Vielleicht seien einzelne Lernstrategien für Personen mit relativ kleinen Heschl-Querwindungen jedoch besser geeignet als andere. Mit entsprechenden Versuchen haben der Forscher und seine Kollegen bereits begonnen.

Forschung: Patrick C.M. Wong, Department of Communication Sciences and Disorders und Institute for Neuroscience, Northwestern University, Evanston, Illinois; Robert J. Zatorre, Department of Neuropsychology, McGill University, und Montreal Neurological Institute, Montréal, Québec; und andere

Veröffentlichung Cerebral Cortex, DOI 10.1093/cercor/bhm115

WWW:
Speech Research Laboratory, Patrick Wong
Tonsprache
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