Posted in: Astronomie 25. Juli 2007 13:20 Weiter lesen →

Vierfacher Sonnenaufgang

Wenn viele Köche in einem Topf rühren, kommt nichts Gutes dabei heraus. Angehenden Planeten scheint es dagegen nicht unbedingt zu schaden, wenn die Schwerkraft mehrerer Sterne an ihrem Rohmaterial zerrt, hat eine italienische Astronomin entdeckt. Ihre Beobachtung eines fernen Vierfachsystems zeigt eine staubige Scheibe mit einer verdächtigen Lücke.

Illustration: Zwei Sterne, dargestellt als hell leuchtende Flecken vor schwarzem Hintergrund, umgeben von einer Staubscheibe samt Loch und dünnem Staubring; im Hintergrund ein weiteres Sternpaar

Planeten können sich möglicherweise selbst in Vierfachsystemen bilden. Grafik: NASA/JPL-Caltech/T. Pyle (SSC)

Eine naheliegende Erklärung für diese Struktur sei die Bildung von Planeten in der Scheibe, erläutert Elise Furlan von der University of California in Los Angeles. „Planeten sind so etwas wie kosmische Staubsauger: Sie lesen all jenen Schmutz auf, der in ihrer Bahn um die Zentralgestirne liegt.“ Furlan und ihre Kollegen stellen ihre Ergebnisse demnächst im „Astrophysical Journal“ vor.

Die Gruppe nutzte das Weltraumteleskop Spitzer, um HD 98800 zu studieren. Gut 150 Lichtjahre von der Sonne entfernt, besteht das System aus zwei Paaren junger Sterne, die einander im Abstand von lediglich 50 Erdbahnradien umkreisen. Eines dieser Paare ist von einer weiten Scheibe aus Gas und Staub umgeben.

Die Form des jetzt aufgenommenen Infrarotspektrums lässt vermuten, dass diese Scheibe nicht gleichmäßig gebaut ist. Vielmehr klafft in ihrer Mitte ein knapp 6 Erdbahnradien weites Loch. Am Rand des Lochs und bei einem Radius von 1,5 bis 2 Erdbahnradien finden sich zudem zwei Gürtel relativ grober Staubkörner, wie sie auf Kollisionen zwischen Planeten-Vorläufern zurückgehen könnten.

Angesichts des nahen zweiten Sternpaars dürfte das Material in der Scheibe allerdings komplexen, im Laufe der Zeit schwankenden Kräften ausgesetzt sein, so Furlan weiter. Daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass dieses komplizierte Tauziehen für die Struktur der Scheibe verantwortlich sei. Frühere Studien hatten bereits Hinweise auf Planeten in Zweifach- und Dreifachsystemen geliefert.

Forschung: Elise Furlan, NASA Astrobiology Institute und Department of Physics and Astronomy, University of California, Los Angeles; Benjamin A. Sargent und Dan M. Watson, Department of Physics and Astronomy, University of Rochester, Rochester, New York; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal; Preprint arXiv:0705.0380

WWW:
Homepage Elise Furlan
Why are circumstellar disks important?
Extrasolar Planets Encyclopaedia
Spitzer Space Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mehrere Wege zu Mehrfachsystemen
Planet mit drei Sonnen

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