Posted in: Medizin 24. Juli 2007 16:52 Weiter lesen →

Multiple Sklerose: Fehlender Dämpfer-Nachschub

Bei der Multiplen Sklerose wird das Nervensystem durch körpereigene Abwehrzellen attackiert. Einen möglichen Grund dafür haben Heidelberger Mediziner entdeckt. Die Betroffenen bilden demnach vergleichsweise wenige neue Immunzellen, die die Aktivität ihrer zerstörerischen Kollegen im Zaum halten können.

Zwar wird die eingeschränkte Nachlieferung regulatorischer T-Zellen durch die Vermehrung älterer Pendants kompensiert, fanden die Forscher um Jürgen Haas und Brigitte Wildemann vom Heidelberger Universitätsklinikum. Diese alten Zellen arbeiten jedoch weniger gut als neu gebildete. Möglicherweise sind sie deshalb nicht in der Lage, den Angriff auf das Zentralnervensystem aufzuhalten.

In früheren Arbeiten hatte Wildemanns Gruppe zeigen können, dass der über dem Herzen liegende Thymus bei der Entstehung der Multiplen Sklerose eine wichtige Rolle spielt und dass es speziell auf die regulatorischen T-Zellen ankommt, die dieser Drüse entspringen. Die Forscher nutzten nun ein Oberflächenprotein als Erkennungsmerkmal, um frisch gebildete regulatorische T-Zellen von solchen zu unterscheiden, die bereits seit längerem im Blut zirkulieren.

Wie die Gruppe im „Journal of Immunology“ berichtet, lässt der Nachschub aus dem Thymus einerseits mit dem Alter nach, andererseits fällt er bei MS-Patienten spärlicher aus als bei gesunden Personen. Darüber hinaus entfalten die älteren Zellen eine schwächere regulatorische Wirkung und können weniger körpereigene Moleküle erkennen, die es vor dem Angriff des Immunsystems zu schützen gilt.

„Wir vermuten, dass MS-Patienten eine Funktionsstörung der Thymusdrüse aufweisen“, fasst Haas zusammen. Die neuen Resultate könnten vielleicht erklären, warum bestimmte Medikamente bei MS wirkten und warum sich Patientinnen während der Schwangerschaft oft besonders gut fühlten: Möglicherweise steigerten einige Wirkstoffe und Hormone die Aktivität des Thymus und damit die Neubildung regulatorischer T-Zellen.

Forschung: Jürgen Haas und Brigitte Wildemann, Sektion Molekulare Neuroimmunologie, Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg; Benedikt Fritzsching und Peter H. Krammer, Abteilung Immungenetik, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; und andere

Veröffentlichung Journal of Immunology, Vol. 179(2), pp 1322-30

WWW:
Molekulare Neuroimmunologie, Uniklinikum Heidelberg
Deutsches Krebsforschungszentrum
Was ist MS?
Regulatory T cells

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Abwehrzellen „narkotisieren“ hyperaktive Kollegen
MS immer häufiger bei Frauen

Posted in: Medizin
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.