Posted in: Klima, Umwelt, Physik 23. Juli 2007 17:42 Weiter lesen →

Rätsel um Antarktis-Loch gelüftet

Loch im Eis Drei Meeresforscher glauben, eine Erklärung für ein 33 Jahre altes Phänomen in der Antarktis gefunden zu haben. Damals wurde auf Satellitenbildern ein mehrjähriges riesiges Loch im Winter-Eis des Weddell-Meeres entdeckt, für dessen Erscheinen die Wissenschaft bislang keine Erklärung hatte. Die Forscher stellten jetzt ein Modell auf, das starke Klimaschwankungen in der Antarktis für das Phänomen verantwortlich macht.

Grafik: Die Große Weddell Polynya in den Jahren 1974 bis 1976.
Gordon und Comiso/ Lamont-Doherty Earth Observatory

Satellitendaten von der Eisbedeckung der Antarktis zeigten 1974 erstmals ein riesiges Loch, welches sich über 250.000 Quadratkilometer erstreckte. Dies entspricht in etwa der Fläche aller westlichen Bundesländer zusammen. Forscher tauften es damals die „Weddell Polynya“ – ein russisches Wort, das in etwa „Loch im Eis“ bedeutet.

Mitte der 70er Jahre konnte die riesige Datenmenge, die Satelliten aus dem All zur Erde funkten, nicht in Echtzeit ausgewertet werden. Als sich mit Zeitverzögerung das große Loch vor den Augen der Wissenschaftler in den Daten auftat, hatte es sich im Eis schon wieder geschlossen. Daher wurden nie direkte Messungen vor Ort durchgeführt, um das Phänomen zu erklären.

Eine deutsch-amerikanische Forschergruppe, darunter Martin Visbeck vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel, glaubt nach der Auswertung von Klimadaten Schwankungen in der Südhemisphäre für die Weddell Polynya verantwortlich machen zu können. Die These wird im „Journal of Climate“ vorgestellt.

„Die Daten haben uns eine interessante und ungewöhnliche Entwicklung im regionalen Klimageschehen kurz vor der Bildung der Polynya aufgezeigt“, sagt Visbeck. Demnach gab es einen Zusammenhang zwischen der Polynya und der Abschwächung der Winde im Gebiet des Zirkumpolarstroms und dem antarktischen Kontinent. Der Zirkumpolarstrom ist wie eine mächtige Wasserstraße, die den Kontinent umkreist und eine maßgebliche Rolle im Klimageschehen der Antarktis spielt.

Die Abschwächung der Winde löste nach Meinung der Forscher eine Art Kettenreaktion in dem Zusammenspiel zwischen Atmosphäre, Ozean und Eisbildung aus: Die Abnahme der Winde habe zu weniger Niederschlag geführt und eine stärkere Vermischung der Wassersäule im Weddellmeer begünstigt. Das wiederum habe ein Aufsteigen von wärmerem Tiefenwasser an die Oberfläche erlaubt. „Dieses wärmere Wasser schmolz das Eis des Weddell-Meeres und bescherte uns die große Polynya“, so Visbeck. Die umgekehrte Kettenreaktion, ausgelöst durch eine Verstärkung der Winde über die letzten 20 Jahre, habe das Phänomen wieder verschwinden lassen.

Die Weddell Polynya zeigte sich seit 1976 nie wieder.

Forschung: Martin Visbeck, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel; Arnold J. Gordon, Josefino Comiso; in: Journal of Climate, Vol. 20, Issue 11, 2007, pp. 2558-2571

Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
Foschungsbereich Physikalische Ozeanographie
Abstract im Journal of Climate

Posted in: Klima, Umwelt, Physik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 4,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.