Posted in: Geologie, Paläontologie 19. Juli 2007 20:01 Weiter lesen →

Frühe Archosaurier hielten sich lange

Der Aufstieg der Dinosaurier zur dominierenden Tiergruppe ihrer Zeit vollzog sich wohl weniger rasant als bisher vermutet. Neue Fossilienfunde in New Mexiko wecken Zweifel an der These, nach der vor etwa 230 Millionen Jahren die frühen Archosaurier schlagartig verschwunden sein sollen.

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Zu den in Hayden Quarry gefundenen Tieren gehören der Sauriervorläufer Dromomeron romeri (unten links) und ein Silesaurus-artiges Tier (unten Mitte) sowie die Dinosaurier Chindesaurus bryansmalli (oben Mitte mit Beute) und ein dem Coelophysis ähnlicher Theropode (oben rechts). Zeichnung: Donna Braginetz / Science

Vor rund 230 Millionen Jahren, beim Übergang von Perm zu Trias, ereignete sich eines der größten Massensterben der Erdgeschichte. Die Mehrzahl aller Spezies starben innerhalb weniger Millionen Jahren aus. So lassen es jedenfalls die fossilen Funde vermuten, deren Vorkommen am Übergang der beiden Erdzeitalter einen starken Rückgang zeigen. Vor allem das Verschwinden der Hälfte aller Meereslebewesen ist gut belegt. Auf dem Land verschwanden fast alle Arten höher entwickelter Tiere und die Pflanzenwelt veränderte sich stark. Als Ursache wird eine deutliche Abkühlung des globalen Klimas vermutet.

Das schnelle Verschwinden ihrer Vorfahren soll den Dinosauriern den Aufstieg erleichtert haben, sagt eine gängige These. Tatsächlich aber könnten sehr wohl die frühen Sauriervorläufer des Oberperm noch die ganzen 20 Millionen Jahre der Trias hindurch neben jenen Dinosauriern gelebt haben, die erst in der sich anschließenden Jura die Herrschaft übernahmen. Darauf deuten Ausgrabungen hin, über die amerikanische Forscher jetzt im Magazin „Science“ berichten.

Die Forscher um Randall Irmis und Kevin Padian von der University of California in Berkeley begannen im letzten Jahr eine Grabung nahe von Ghost Ranch, einer nordwestlich von Santa Fe gelegenen Anlage, die bereits für fossile Funde bekannt ist. An der Grabungsstelle Hayden Quarry, wo im Jahr 2002 zufällig die ersten Fossilien gefunden worden waren, konnten die Forscher bei ihrer systematischen Suche Überreste von rund 1300 verschiedenen Spezies identifizieren. Sämtliche Funde sollen 210 bis 220 Millionen Jahre alt sein.

Zu den entdeckten Tieren gehören frühe Krokodile, Fische und Amphibien. Überrascht waren die Forscher aber besonders über das Aufeinandertreffen von Dinosauriern und frühen Archosauriern an einer Fundstelle. Womöglich konnten die Tiere lange Zeit friedlich koexistieren, spekulieren die Paläontologen jetzt. „Wenn es einen Konkurrenzkampf zwischen den Vorläufern und den Dinosauriern gab, dann muss es ein lang andauernder Wettstreit gewesen sein“, vermutet Irmis; „Eine ganze Reihe jener Spezies, die als ausgestorben galten, müssen es bis in die späte Trias geschafft haben.“

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Skelett-Rekonstruktionen der Funde von Hayden Quarry. Von vorn nach hinten sind zu sehen: Dromomeron romeri, Silesaurus-artiger Vorläufer, Chindesaurus bryansmalliund und der dem Coelophysis ähnliche Theropode. Quelle: Science

Unter anderem entdeckten die Forscher einen bisher unbekannten Sauriervorläufer, den sie auf den Namen Dromomeron romeri tauften. Das vermutlich aufrecht laufende Tier soll mit dem 235 Millionen Jahre alten, argentinischen Lagerpeton verwandt sein. Ein weiterer noch nicht eingeordneter früher Pflanzenfresser soll dem auf allen Vieren laufenden, in Polen entdeckten Silesaurus ähnlich sein. Daneben fand sich der Beinknochen des Fleischfressers Chindesaurus bryansmalli sowie Fossilien eines nahen Verwandter des Coelophysis, ein aus der Trias gut bekannten, aufrecht gehenden Fleischfressers.

Zur Zeit der Trias waren die späteren Kontinente noch in der einen großen Landmasse Pangaea vereinigt. Das heutige New Mexico lag in jener Zeit etwa auf der Höhe des Äquators. Der Fundort könnte noch für einige Überraschungen gut sein: An gleich drei Stellen rund um Hayden Quarry graben die Forscher noch.

Forschung: Randall B. Irmis, Kevin Padian, University of California, Berkeley; Sterling J. Nesbitt, Lamont-Doherty Earth Observatory / Columbia University, Palisades; A.H. Turner, American Museum of Natural History, New York; N.D. Smith, University of Chicago / Field Museum of Natural History, Chicago; D. Woody, University of Colorado in Boulder; A. Downs, Ruth Hall Museum of Paleontology, Abiquiu; in „Science“ Vol. 317, pp 358 – 361, 20.7.2007

WWW:
Die Welt im Perm
The Ruth Hall Museum of Paleontology

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