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Wie Britannien zur Insel wurde

18. Juli 2007 19:19

Eine gewaltige Sturzflut nabelte Britannien vom europäischen Festland ab. Für diese Annahme spricht eine neue Echolot-Karte des Ärmelkanals, die eine britische Forschergruppe im Magazin “Nature” vorstellt. Ein tief eingeschnittenes Tal am Grund des Kanals wurde vermutlich geformt, indem aufgestautes Wasser einen Höhenrücken zwischen England und Frankreich überspülte und fortschwemmte.

3D-Modellansicht des Ärmelkanal-Bodens zeigt einen breiten Kanal samt darin verlaufender, einige Inseln umströmender schmalerer Kanäle; Meerestiefe farblich codiert, von Blaugrün im Zentrum über Rot bis Grau zu den heutigen Küsten verlaufend

Das Echolot-Modell zeigt einen breiten Kanal am Grund des Ärmelkanals, etwas südlich der Isle of Wight. In die Sohle dieses Kanals gegraben sind weitere, um “Inseln” ziehende Kanäle. Blick nach Osten. Grafik: S. Gupta

Erst dieses Ereignis habe die Straße von Dover geschaffen, die schmale Verbindung zwischen Ärmelkanal und Nordsee, schreiben Sanjeev Gupta vom Imperial College London und seine Kollegen. Nach Ansicht des Forschers könnte die Abtragung der Landbrücke auch erklären, “warum die frühe menschliche Besiedlung Britanniens für beinahe 120.000 Jahre zum Stillstand kam”.

Die Gruppe analysierte Daten einer hochauflösenden Echolot-Vermessung in den Jahren 1973 bis 2003. Ihr Modell des Kanalbodens zeigt nördlich der bekannten Überreste eines großen Flusssystems einen bis zu 15 Kilometer weiten und 50 Meter tiefen Kanal. Am Grund dieses Kanals finden sich wiederum weitere Kanäle, die mehrere stromlinienförmige “Inseln” von einigen Kilometern Größe umfließen.

Nach Ansicht der Forscher wurden der große Kanal und die darin liegenden Kanäle jäh in den Kalkstein geschnitten, als der Meeresspiegel während der Eiszeit gut einhundert Meter tiefer lag als heute. Südenglische und nordfranzösische Flüsse vereinten sich damals im Tal des Ärmelkanals und flossen gemeinsam nach Westen. Rhein und Themse suchten sich dagegen ihren Weg nach Norden. Als Barriere zwischen beiden Systemen fungierte ein Kalksteinrücken entlang der Linie Calais-Dover.

Das Ende dieser Barriere kam, als der nordeuropäische Eispanzer das Gebiet der heutigen Nordsee überspannte und Themse und Rhein den Weg versperrte. Der in der Folge aufgestaute See muss im Zeitraum vor 450.000 bis 180.000 Jahren über den Kalksteinrücken gelaufen und ihn rasch abgetragen haben. Gupta und Kollegen schätzen, dass dabei pro Sekunde zwischen 0,2 und 1 Million Kubikmeter Wasser über den Grund des Ärmelkanals rauschten.

Forschung: Sanjeev Gupta, Jenny S. Collier und Andy Palmer-Felgate, Department of Earth Science and Engineering, Imperial College London, und Graeme Potter, UK Hydrographic Office, Taunton

Veröffentlichung Nature, Vol. 448, 19. Juli 2007, pp 342-5, DOI 10.1038/nature06018

WWW:
Seafloor Imaging and Processes, Imperial College London
UK Hydrographic Office
History of the northwest European rivers during the past three million years
Glacial Lake Missoula
Mystery of the Megaflood

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