Posted in: Astronomie, Chemie 12. Juli 2007 10:53 Weiter lesen →

Komet ohne Kruste

Einige Menschen werden partout nicht braun, wenn sie sich in die Sonne legen. Ähnliches gilt für Kometen, haben amerikanische und französische Astronomen entdeckt. Obwohl er mehrfach nahe an der Sonne vorbeigezogen ist, scheint sich ein von ihnen studierter Komet seinen ursprünglichen „Teint“ bewahrt zu haben.

Infrarotaufnahme des Kometen zeigt die Fragmente als helle Punkte mit rötlichen, flammenartig erscheinenden Gasfahnen, wie aufgereiht auf einer Perlenschnur

Der Komet Schwassmann-Wachmann 3 ist mittlerweile in eine Vielzahl kleinerer Teile zerfallen, hier eine Infrarot-Aufnahme des Weltraumteleskops Spitzer. Bild: NASA/JPL-Caltech

Bislang sei man davon ausgegangen, dass zumindest Kometen mit einer kurzen Umlaufzeit eine regelrechte Kruste entwickeln sollten, indem Strahlung und Partikel von der Sonne ihre Oberfläche veränderten, schreiben die Forscher um Neil Dello Russo von der Johns Hopkins University im Magazin „Nature“. In diesem Fall scheine das Äußere des Kometen aber jene Bedingungen widerzuspiegeln, die vor gut 4,6 Milliarden Jahren in den äußeren Regionen des jungen Sonnensystems herrschten.

Mit Schwassmann-Wachmann 3 untersuchten die Astronomen einen Kometen, der alle 5 Jahre und 4 Monate zwischen Erd- und Jupiterbahn pendelt und dabei nahe an der Sonne vorbeizieht. Diese Tour fordert ihren Tribut: Im Jahr 1930 entdeckt, ist der Komet in den letzten Jahren in mehr als 60, teils mehrere Hundert Meter große Fragmente zerfallen. Die beiden größten nahmen die Forscher mit zwei Teleskopen auf Hawaii genauer unter die Lupe. Insbesondere interessierten sie sich für die Gasfahnen, die die beiden Brocken in Sonnennähe produzierten.

Obwohl die beiden großen Bruchstücke verschiedene Anteile des Kometeninneren und einer eventuellen Kruste enthalten sollten, weisen ihre Infrarotspektren erstaunliche Ähnlichkeit auf, berichtet die Gruppe. Beide Fragmente gaben demnach pro Sekunde einige Tonnen Wasser ab, gewürzt mit einigen Kilogramm Methanol, Blausäure, Formaldehyd, Ammoniak und anderen Verbindungen. Die Mengenverhältnisse waren in beiden Fällen praktisch identisch.

„Diese Resultate liefern starke Belege dafür, dass der Kern von Schwassmann-Wachmann 3 chemisch homogen ist und dass seine Zusammensetzung in erster Linie die Bedingungen bei seiner Entstehung widerspiegelt“, folgern Dello Russo und Kollegen. Die zahlreichen engen Sonnenpassagen schienen sich kaum auf die Chemie des Kometen ausgewirkt zu haben.

Forschung: Neil Dello Russo und Carey M. Lisse, Space Department, Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory, Laurel, Maryland; Nicolas Biver und Jacques Crovisier, Observatoire de Paris – Section de Meudon, Meudon; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 448, 12. Juli 2007, pp 172-5, DOI 10.01038/nature05908

WWW:
Johns Hopkins University Applied Physics Lab
Nicolas Biver, L’Observatoire de Paris
cometography.com
The Comet Primer
73P/Schwassmann-Wachmann 3
Giotto passiert Halley

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schweißtreibende Tour für Kometen
Kometen im Asteroidengürtel

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