Evolution: Schmetterlinge schlagen zurück

12. Juli 2007 20:01 Drucken

Einen Fall extrem rascher Evolution hat eine internationale Forschergruppe in der Südsee beobachtet. Der Männchen-Anteil in dortigen Schmetterlingspopulationen stieg von kaum 1 Prozent binnen einen Jahres auf knapp 39 Prozent. Wahrscheinliche Ursache ist das Auftauchen einer Genvariante, die die Falter gegen ein männermordendes Bakterium schützt.

Foto eines männlichen Hypolimnas bolina auf saftig grünem Laub, beinahe schwarzer Falter mit je zwei weißen Flecken auf den Flügeln

Wieder häufiger zu sehen: ein männliches Exemplar von Hypolimnas bolina. Foto: Copyright Science

“Meines Wissens nach, ist dies die schnellste evolutionäre Veränderung, die jemals beobachtet worden ist”, erklärt Sylvain Charlat vom University College London und von der University of California in Berkeley. “Diese Studie zeigt, dass die Evolution sehr rasch ablaufen kann, wenn eine Population einem sehr starken Selektionsdruck ausgesetzt ist, beispielsweise einem extrem verschobenen Geschlechterverhältnis.”

Schon vor einigen Jahren hatten Charlat und seine Kollegen entdeckt, dass die Hypolimnos-Edelfalter auf einigen Inseln Samoas mit einem Untermieter der besonderen Art zu kämpfen haben. Das Bakterium Wolbachia wird allein über die Eizellen von der Mutter an den Nachwuchs weitergegeben. Daher kann es seine Überlebenschancen steigern, indem es männlichen Nachwuchs noch vor dem Schlüpfen tötet und so den Anteil der Weibchen in der Population erhöht.

Als Folge bestand die Population auf der Insel Savaii im Jahr 2005 zu über 99 Prozent aus Weibchen, berichten die Forscher im Magazin “Science”. Gut ein Jahr oder kaum zehn Generationen später, waren dagegen gut 39 Prozent der gesichteten Tiere männlich. Und während aus den Eigelegen im Jahr 2005 beinahe ausschließlich Weibchen geschlüpft waren, brachten die Tiere nun wieder reichlich männlichen Nachwuchs hervor. Zwar war das Bakterium unverändert bei allen Tieren nachweisbar. Offenbar hatten die Schmetterlinge jedoch gelernt, dessen Optimierungsstrategie zu unterlaufen.

Grund dürfte das Auftauchen einer Genvariante gewesen sein, die das Treiben des Bakteriums unterdrückt, schreiben die Forscher. Ob diese Suppressorvariante von einem eingewanderten Tier stammte oder auf eine lokale Mutation zurückging, ist noch unklar. In jedem Fall habe sie sich via natürlicher Selektion durchsetzen müssen, betont Charlat. “Das Suppressorgen ermöglicht es infizierten Weibchen, Männchen hervorzubringen, und diese paaren sich wiederum mit sehr, sehr vielen Weibchen. Daher tragen im Laufe der Generationen immer mehr Individuen das Suppressorgen.”

Forschung: Sylvain Charlat, Emily A. Hornett und Gregory D.D. Hurst, Department of Biology, University College London und Gump South Pacific Research Station, University of California at Berkeley, Moorea, Französisch-Polynesien; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 317, 13. Juli 2007, p 214, DOI 10.1126/science.1143369

WWW:
Insects, Sex and Parasites Research Group, University College London
Wolbachia
Evolution 101

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