Posted in: Astronomie 9. Juli 2007 14:20 Weiter lesen →

Planeten pudern ihre Sterne

Sterne werden regelrecht gepudert, nachdem sich Planeten in ihrer Umgebung gebildet haben. Für diese Theorie sprechen Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe. Bei der Entstehung des Planetensystems übrig gebliebenes Material fällt demnach auf den Stern und verleiht ihm eine metallreiche optische Signatur.

„Das ist ein bisschen wie Tiramisu oder Capuccino“, erklärt Luca Pasquini von der Europäischen Südsternwarte in Garching. „Das Kakaopulver ist nur oben drauf.“ Die Situation ändere sich allerdings, wenn dem Stern allmählich der Brennstoff ausgehe. In seiner aufgeblähten Außenschicht werde das Material so stark verdünnt, dass es nicht weiter auffalle.

Seit einiger Zeit wissen Astronomen, dass Sterne mit Planeten im Schnitt doppelt so viel Eisen enthalten wie solche ohne Planeten. Pasquini und seine Kollegen suchten nun zu ergründen, ob diese Beziehung auch für Rote Riesen gilt. Solche Sternveteranen haben den Wasserstoff in ihrem Kern verbraucht und sich in der Folge aufgebläht. Das gilt vor allem für ihre Konvektionszone – jene äußerste Schicht, in der Wärme vorrangig durch das Aufsteigen und Absinken unterschiedlich heißen Gases nach außen transportiert wird.

Tatsächlich war für die 14 studierten Riesensterne kein Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Planeten und dem Metallgehalt nachweisbar, berichtet die Gruppe demnächst im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“. Dieser Effekt lasse sich darauf zurückführen, dass die in der Konvektionszone umgewälzte Masse bei einem Roten Riesen um ein Vielfaches größer sei als etwa bei der Sonne mit ihrer relativ dünnen Konvektionszone. Daher werde auch das „Planeten-Pulver“ um ein Vielfaches verdünnt und in tiefere Schichten getragen.

„Obwohl die Interpretation der Daten nicht ohne Tücken ist, wäre die einfachste Erklärung, dass sonnenähnliche Sterne metallreich erscheinen, weil ihre Atmosphären verschmutzt sind“, erläutert Artie Hatzes von der Thüringer Landessternwarte Tautenburg. Grundsätzlich seien aber auch andere Erklärungen denkbar, so der Forscher und seine Kollegen.

Forschung: Luca Pasquini, European Southern Observatory (ESO), Garching; Artie P. Hatzes, Thüringer Landessternwarte Tautenburg; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astronomy & Astrophysics; Preprint arXiv:0707.0788

WWW:
ESO
Thüringer Landessternwarte Tautenburg
Die Sonne – ein ganz normaler Stern
Extrasolar Planets Encyclopaedia

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Junger Stern badet in Wasserstoff
Metallreiche Sterne, kernige Planeten

Posted in: Astronomie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.