Kälteeinbrüche auf Britannien rekonstruiert
Montag, 9. Juli 2007, 18:45 • Rubrik Geologie, Klima, Umwelt.
Gleich zwei abrupte Klimaveränderungen haben die britischen Inseln vor einigen Tausend Jahren erlebt. Das zeigen Sedimentproben aus einem englischen See, die britische Geowissenschaftler untersucht haben. In beiden Fällen sank die Durchschnittstemperatur abrupt um etwa 1,6 Grad Celsius, berichtet die Gruppe im Fachblatt “Geology”.
Zeitgleich mit den britischen Klimaveränderungen hätten sich ähnliche Veränderungen auch auf Grönland und in Mitteleuropa eingestellt, erläutert Jim Marshall von der University of Liverpool. Die gemeinsame Ursache liege vermutlich in einer Abschwächung jenes Strömungssystems, zu dem auch der Golfstrom gehört, und das warmes Wasser aus den Tropen bis in den Nordatlantik bringt.
Gemeinsam mit seinen Kollegen analysierte Marshall Sediment aus einem See im Norden Englands, des Hawes Water. An dem relativen Gehalt des schweren Sauerstoff-Isotops O18 in den Sedimentschichten erkannten die Forscher zwei 50 bzw. 150 Jahre währende Kältephasen in der Region vor rund 9.350 und 8.350 Jahren. Wie stark die Abkühlung war, verrieten Überreste von Zuckmücken in dem Sediment: Die Veränderung ihrer Artenzusammensetzung lässt auf 1,6 Grad niedrigere Sommertemperaturen schließen.
Mehrere Forscher gingen davon aus, dass das “nordatlantische Förderband” langsamer laufen oder sogar gänzlich zum Stillstand kommen könne, so Marshall weiter. “Unsere Arbeit liefert Belege dafür, dass die beiden Klimaveränderungen in direktem Zusammenhang mit einer Verlangsamung des Förderbands standen.” Diese Information könne wiederum helfen, Computermodelle des Klimas und seiner künftigen Veränderungen zu testen.
Forschung: Jim D. Marshall, Barbara Lang und James D. Ball, Department of Earth and Ocean Sciences, University of Liverpool, und Department of Natural, Geographical and Applied Sciences, Edge Hill University, Ormskirk; und andere
Veröffentlichung Geology, Vol. 35(7), pp 639-42, DOI 10.1130/G23498A.1
WWW:
Earth and Ocean Sciences, University of Liverpool
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