Frauen reden nicht mehr als Männer
Donnerstag, 5. Juli 2007, 20:01 • Rubrik Psychologie, Vermischtes.
In Film und Literatur werden regelmäßig schweigsame Männer mit schwatzhaften Frauen konfrontiert. Mit der Realität hat dieses Bild freilich wenig gemein, sind amerikanische Psychologen überzeugt. Ihren Versuchen zufolge, bringen es beide Geschlechter im Schnitt auf etwa 16.000 Wörter am Tag.
Selbst in wissenschaftlich fundierten Werken würden Zahlen von 7.000 bzw. 20.000 Wörtern bei Männern und Frauen genannt, schreiben Matthias Mehl von der University of Arizona und seine Kollegen im Magazin “Science”. Auch wenn diese Zahlen von den Medien gerne aufgegriffen würden, schienen sie doch nur ein liebgewonnenes Klischee widerzuspiegeln. Aussagekräftige Studien zur Redseligkeit der Geschlechter habe es bislang jedenfalls nicht gegeben.
Mehl und Kollegen analysierten Daten aus sechs Experimenten, die sie im Laufe mehrerer Jahre an einer amerikanischen und einer mexikanischen Universität durchgeführt hatten. Die Teilnehmer, insgesamt 210 männliche und 186 weibliche Studierende, wurden mit Aufnahmegeräten ausgestattet, die sie möglichst direkt nach dem Aufwachen anlegen sollten.
Von ihren Trägern unbemerkt, schalteten diese Geräte in regelmäßigen Abständen für eine halbe Minute in den Aufnahmemodus. Anhand der Aufzeichnungen schätzten die Forscher, wie viele Wörter die Träger während einer täglichen Wachdauer von 17 Stunden typischerweise von sich gaben. Während die Resultate von etwas über 500 bis mehr als 46.000 Wörter reichten, unterschieden sich die Mittelwerte der beiden Geschlechter um lediglich 550 Wörter pro Tag.
Eine mögliche Schwäche der Studie liege darin, dass sie lediglich Studierende betrachtet habe, räumen Mehl und Kollegen ein. Wenn man davon ausgehe, dass ein eventueller geschlechtsbedingter Redefluss biologische Wurzeln habe, sollte dies jedoch auch in einer derart homogenen Population nachweisbar sein.
Forschung: Matthias R. Mehl, Department of Psychology, University of Arizona, Tucson; James W. Pennebaker, Department of Psychology, University of Texas at Austin; und andere
Veröffentlichung Science, Vol. 317, 6. Juli 2007, p 82, DOI 10.1126/science.1139940
WWW:
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