Viel Quecksilber aus Waldbränden
2. Juli 2007 | Druckversion
Durch Brandrodung und andere Waldbrände gelangen jährlich einige Hundert Tonnen Quecksilber in die Atmosphäre. Das zeigen Messungen, die eine europäische Forschergruppe mit Hilfe eines Lufthansa-Airbus durchgeführt hat. In den Abluftfahnen von Waldbränden in Brasilien stellten sie erhöhte Konzentrationen von Quecksilber fest.
Jedes Jahr setzen Biomassebrände 210 bis 750 Tonnen gasförmigen Quecksilbers frei, schätzen die Forscher um Ralf Ebinghaus vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht und Franz Šlemr vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Dies entspreche drei bis elf Prozent der gesamten Emissionen, schreibt die Gruppe im Fachblatt “Geophysical Research Letters”.
Ebinghaus und Kollegen analysierten Daten, die bei im Oktober 2005 während eines Fluges von Frankfurt nach Santiago de Chile via São Paulo gesammelt worden waren. Das im Laderaum des Jets untergebrachte Messlabor registrierte mehrmals erhöhte Quecksilber- und Kohlenmonoxid-Konzentrationen. Der Nachweis weiterer Verbrennungsprodukte, die Auswertung von Satellitenbildern und das Zurückverfolgen der Luftbewegungen zeigten, dass das Flugzeug die Abluftfahnen großer Waldbrände passiert hatte.
Atmosphärisches Quecksilber ist vor allem deshalb problematisch, weil es teils in Gewässer gelangt, dort zum hochgiftigen Methylquecksilber umgewandelt wird und sich als solches in der Nahrungskette anreichert. Etwa drei Viertel der Emissionen gehen auf menschliche Aktivitäten wie Kohle- und Müllverbrennung sowie Erzverhüttung zurück. Dass auch Biomassebrände einen Beitrag leisten, war vor wenigen Jahren erstmals festgestellt worden.
Entsprechende Messungen hätten sich bislang auf mittlere Breiten der Nordhalbkugel beschränkt, so die Forscher. Die meisten Waldbrände träten jedoch in den Tropen auf, sodass eine Abschätzung im globalen Maßstab kaum möglich gewesen sei.
Forschung: Ralf Ebinghaus, GKSS-Forschungszentrum, Geesthacht; Franz Šlemr und Carl A.M. Brenninkmeijer, Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz; David E. Oram, School of Environmental Sciences, University of East Anglia, Norwich; und andere
Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 34, L08813, DOI 10.1029/2006GL028866
WWW:
GKSS-Forschungszentrum
Max-Planck-Institut für Chemie
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