Posted in: Genetik 27. Juni 2007 19:01 Weiter lesen →

Gene: „Gut“ ist relativ

Ein prächtiges Gefieder, ein beeindruckendes Geweih oder eine sonore Stimme – der Fortpflanzungserfolg eines Männchens wird häufig mit „guten“ Genen in Verbindung gebracht. Für Weibchen können solche Genvarianten jedoch eine Last sein, belegt eine Langzeitstudie mit Hirschen auf einer schottischen Insel: Töchter besonders produktiver Männchen haben selbst relativ wenig Nachwuchs.

Foto: Hirschbock mit reich verzweigtem, mit einer samtigen Hautschicht überzogenem Geweih vor tiefblauem Himmel

Ob eine Genvariante einen Selektionsvorteil oder -nachteil bringt, hängt auch davon ab, ob sie in einem Männchen oder Weibchen steckt. Foto: Loeske Kruuk

Solche je nach Geschlecht unterschiedlichen Gen-Effekte seien beim Studium der Evolution bislang nicht ausreichend berücksichtigt worden, schreibt eine Gruppe um Katharina Foerster von der Universität Edinburgh im Magazin „Nature“. Die neuen Resultate könnten verstehen helfen, warum sich natürliche Populationen häufig eine hohe genetische Vielfalt bewahrten, während sich auf lange Sicht die „guten“ Gene durchsetzen sollten.

Foerster und Kolleginnen analysierten Daten über Rothirsche (Cervus elaphus) auf der schottischen Insel Rum. Die Entwicklung der Population – inklusive des Fortpflanzungserfolgs und des Überlebens jedes einzelnen Tieres – wird seit 1971 minutiös verfolgt. Anhand der Angaben zu 3.559 Individuen suchten die Forscherinnen nach Zusammenhängen zwischen dem Erfolg der Eltern und ihrer Nachkommen.

Gemessen am jeweiligen Gesamtbeitrag zum Wachstum der Population, bringen überdurchschnittlich erfolgreiche Väter demnach eher unterdurchschnittliche Töchter hervor – und umgekehrt. Zwischen Müttern und ihren Söhnen war kein solcher Zusammenhang statistisch nachweisbar.

Eine mögliche Erklärung sei, dass die je nach Geschlecht gegensätzlich wirkenden Gene auf dem X-Chromosom liegen, so die Forscherinnen. Männliche Säuger tragen nur eines dieser Geschlechtschromosomen, sodass darauf liegende Gene bei ihnen voll zum Tragen kommen. Weibchen tragen dagegen zwei X-Chromosomen. Für sie ungünstige Varianten auf einem X-Chromosom könnten durch das andere Chromosom kompensiert werden und daher weniger stark ins Gewicht fallen.

Forschung: Katharina Foerster, Josephine M. Pemberton und Loeske E.B. Kruuk, Institute of Evolutionary Biology, University of Edinburgh; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 447, 28. Juni 2007, pp 1107-10, DOI 10.1038/nature05912

WWW:
Kruuk Group, Edinburgh
Red Deer Research on the Isle of Rum
Evolution 101
Sexual Selection Comes at a Cost

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