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Angst vor Raubtieren nicht angeboren

22. Juni 2007 |

Hirschen und anderen großen Pflanzenfressern ist die Angst vor ihren Fressfeinden nicht angeboren. Zu diesem Schluss kommt ein amerikanischer Biologe nach Versuchen in verschiedenen Teilen der Welt. Wo Wolf oder Tiger seit längerem ausgerottet sind, reagiert die potenzielle Beute deutlich entspannter auf Tonbandaufnahmen der Raubtiere.

Allerdings lernt sie das Fürchten binnen einer Generation erneut, nachdem die Räuber in ihrem ehemaligen Verbreitungsgebiet wiederangesiedelt worden sind, ermittelte Joel Berger von der Wildlife Conservation Society. Dieses Resultat spreche gegen die Annahme, die bloße Wiederansiedlung stelle eine übermäßige Gefahr für die Pflanzenfresser dar, so der Forscher im Fachblatt “Conservation Biology”.

Berger studierte das Verhalten von Hirschen, Karibus, Bisons und Elchen in 19 Gebieten in Nordamerika, Europa und Asien. Je nach Räuber-Historie reagierten die Tiere sehr unterschiedlich auf Laute ihrer Fressfeinde: So traten Hirsche in Sibirien, wo seit jeher Tiger, Wölfe und Bären leben, fünfmal schneller die Flucht an als Hirsche im Rocky-Mountain-Nationalpark, wo es seit gut 90 Jahren keine großen Räuber mehr gibt. Im Yellowstone-Nationalpark dagegen, wo seit einiger Zeit Wölfe wiederangesiedelt werden, lösten deren Rufe bei der Beute Sichern und Fluchtreaktion in normaler Stärke aus.

Bei der Diskussion über Pro und Contra der Wiederansiedlung dürfe man sich jedoch nicht auf Räuber und Beute beschränken, betont Berger. So habe die Wiedereinbürgerung des Wolfs im Yellowstone auch die Verbreitung der Kojoten beeinflusst. Und andernorts seien nach dem Verschwinden von Wölfen und Bären die Bestände vieler Vogel- und Insektenarten eingebrochen, indem Elche die Vegetation zerstört hätten. Naturschutzmaßnahmen könnten eine Landschaft im ähnliche Maße verändern wie Klimaveränderungen und Krankheitserreger, so der Forscher.

Forschung: Joel Berger, Teton Field Office, Wildlife Conservation Society, Teton Valley, Idaho

Veröffentlichung Conservation Biology, DOI 10.1111/j.1523-1739.2007.00729.x

WWW:
World Conservation Society
Wolf Restoration, Yellowstone National Park
Akzeptanz von Raubtieren
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