Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 21. Juni 2007 20:01 Weiter lesen →

Eisberge düngen das Meer

Eisberge bieten nicht nur einen spektakulären Anblick, sie haben auch merklichen Einfluss auf das Meeresleben. Das haben amerikanische Forscher anhand zweier unterschiedlich großer Eisberge ermittelt. Von den „schwimmenden Inseln“ abgegebene Mineralien lassen das Meeresleben im Umkreis von einigen Kilometern förmlich aufblühen.

Foto: Eisberg, an dessen gewölbter Oberfläche ein breiter Grat und mehrere tiefe Spalten verlaufen

An diesem kurz zuvor gekippten Eisberg werden die Vorsprünge und Spalten sichtbar. Foto: Courtesy of Henry A. Ruhl

Der Effekt beginnt bei mikroskopisch kleinen Algen und pflanzt sich fort durch das Nahrungsnetz bis hin zu Seevögeln, berichten Kenneth Smith vom Monterey Bay Aquarium Research Institute und seine Kollegen im Magazin „Science“. Ihrer Schätzung zufolge, erfahren im Untersuchungsgebiet vor der Antarktischen Halbinsel mindestens 40 Prozent der Meeresoberfläche den Düngeeffekt der Eisberge.

Über mehrere Wochen studierten Smith und Kollegen zwei Eisberge im Weddellmeer und ihren Einfluss auf das umgebende Meer. Die Abmessungen des einen Eisbergs betrugen 0,5 mal 2 Kilometer, der andere brachte es auf stolze 5 mal 21 Kilometer. In Abständen von wenigen Metern bis mehreren Kilometern nahmen die Forscher mehrmals Wasserproben und führten Erkundungsfahrten mit einem ferngesteuerten Tauchroboter durch.

Foto: Eisberg, von dessen Oberfläche ein breiter, hellblauer Schmelzwasser-Strom in das blaugraue Meer ergießt

Eisberge scheinen nicht nur Schmelzwasser, sondern auch Mineralien in das umgebende Meer zu entlassen. Foto: Copyright 2005 Kim Reisenbichler

Noch an Land vom Eis aufgelesene Gesteinspartikel und daraus gelöste Mineralien lassen mikroskopisch kleine Algen sprießen, ergaben die Analysen. Die Konzentration photosynthetisch aktiver Organismen liegt im näheren Umkreis der Eisberge um ein Vielfaches über dem Wert in neun Kilometern Entfernung. Diese üppigere Nahrungsgrundlage begünstigt wiederum tierische Planktonbewohner wie Pfeilwürmer und Quallen und scheint auch Sturmvögel anzulocken. Gleichzeitig stellt das Eis selbst mit seinen zahlreichen Vorsprüngen und Spalten eine willkommene Heimstatt für Algen, Krill und Fische dar.

Die höhere biologische Produktivität lasse vermuten, dass im Umkreis von Eisbergen mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen werde und in Form biologischer Materie zum Meeresgrund sinke, erklärt Smith. Nun müsse geklärt werden, ob sich dieser Effekt merklich auf den globalen Kohlenstoff-Kreislauf und auf das Klima auswirke.

Forschung: Kenneth L. Smith Jr. und Bruce H. Robison, Monterey Bay Aquarium Research Institute, Moss Landing, Kalifornien; Maria Vernet, Integrative Oceanography Division, Scripps Institution of Oceanography, University of California at San Diego, La Jolla; und andere

Veröffentlichung Science, DOI 10.1126/science.1142834

WWW:
Smith Group, MBARI
Scripps Institution of Oceanography
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