Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 18. Juni 2007 18:01 Weiter lesen →

Vorgezogener Frühling auf Grönland

Auf Grönland hält der Frühling heute deutlich früher Einzug als vor zehn Jahren. Das haben dänische und amerikanische Forscher ermittelt. In Abhängigkeit vom jeweiligen Fundort, haben verschiedene Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensrhythmus um bis zu fünf Wochen vorverlegt.

Foto: Brauner Schmetterling mit hellen Flecken auf den Flügeln, am Boden zwischen kleinen Pflanzen sitzend

Auch der arktische Perlmuttfalter (Clossiana chariclea) hat seinen Lebensrhytmus im letzten Jahrzehnt deutlich vorverlegt: Foto: Toke T. Høye

Die neuen Resultate „sind ein klarer Beleg dafür, dass die Organismen der Hocharktis stark und schnell auf klimatische Veränderungen ansprechen“, schreiben die Forscher um Toke Høye vom Dänischen Umweltforschungsinstitut im Fachblatt „Current Biology“. Die unterschiedlich ausgeprägte Reaktion einzelner Arten könnte dazu führen, dass es beispielsweise Räubern gerade dann an Beute mangle, wenn sie Ressourcen für die Fortpflanzung benötigten.

Høye und Kollegen analysierten systematische Beobachtungen, die in den Jahren 1996 bis 2005 im Umkreis der dänischen Forschungsstation Zackenberg im Nordosten Grönlands angestellt worden waren. Im Untersuchungszeitraum haben die sechs studierten Kräuter und Zwergsträucher ihre Blüte demnach um bis zu 30 Tage vorverlegt, während zwölf Milben- und Insektenarten bis zu 35 Tage früher aus ihren Unterschlüpfen hervorkommen. Auch beginnen die drei studierten Vogelarten ein bis zwei Wochen früher mit der Eiablage, allerdings ist dieser Effekt statistisch nicht abgesichert.

Für die arktische Fauna und Flora sei neben den Durchschnittstemperaturen vor allem der Zeitpunkt der Schneeschmelze von Bedeutung, schreiben die Forscher. Dieser Termin liege heute im Schnitt zwei Wochen früher als noch vor zehn Jahren. Einen ähnlichen Wert erhalte man, wenn man die Verschiebung über die grönländischen Beobachtungsreihen mittle. Frühere Schätzungen für Europa bzw. die gesamte Erde hätten dagegen mittlere Verschiebungen von maximal fünf Tagen pro Jahrzehnt ergeben.

Forschung: Toke T. Høye und Mads C. Forchhammer, Afdeling for Arktisk Miljø, Danmarks Miljøundersøgelser, Aarhus Universitet, Roskilde, und Afdeling for populationsbiologi, Københavns Universitet; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 17, R449-51

WWW:
Danmarks Miljøundersøgelser
Zackenberg Ecological Research Station
Klimafolgen: Die Kryosphäre
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