Neue Organismenklasse entdeckt
Montag, 18. Juni 2007, 12:41 • Rubrik Biologie.
Eine seltene Entdeckung ist Gießener und Leipziger Biologen geglückt. In Proben mikroskopisch kleiner Meeresbewohner stießen sie auf Einzeller mit einer nie zuvor beobachteten Merkmalskombination. Anhand ihres Fundes beschreiben die Forscher eine neue Klasse von Algen.
Diese Synchromophyceae gehören in die nähere Verwandtschaft von Braun- und Kieselalgen. Gemeinsames Merkmal dieser Gruppen ist, dass sie auf eine farblose, nicht zur Photosynthese fähige Zelle zurückgehen, die eine Rotalgen-Zelle aufgenommen und “versklavt” hat. Im Falle der jetzt entdeckten Alge führen diese Plastiden allerdings ein erstaunliches Eigenleben, berichten Reinhard Schnetter von der Universität Gießen und seine Kollegen im Fachblatt “Protist”.
Die Forscher fanden den amöboiden Neuling in Material, dass sie gemeinsam mit Kollegen auf Teneriffa gesammelt hatten. Erste Untersuchungen zeigten, dass sich die Plastiden in ihrer Wirtszelle in Grüppchen zusammenlagern – ein von keinem anderen Organismus bekanntes Phänomen. Weitere Untersuchungen der Pigmentausstattung und des Erbguts bestätigten die exklusive Stellung der neuen Art Synchroma grande.
Laut Schnetter und seinen Kollegen könnte ihr Fund helfen, Licht in die Verwandtschaftsverhältnisse der Algen zu bringen. So lassen sich verschiedene Gruppen von Algen und Eipilzen nach Ansicht einiger Forscher in einem eigenen Reich namens “Chromista” zusammenfassen. Ob diese Organismen tatsächlich einen gemeinsamen Ursprung haben oder auf verschiedenen Wegen ähnliche Merkmale entwickelten, ist jedoch noch unklar.
Forschung: Susanne Horn und Christian Wilhelm, Abteilung Pflanzenphysiologie, Institut für Biologie I, Universität Leipzig; Katrin Ehlers und Reinhard Schnetter, Institut für Allgemeine Botanik und Pflanzenphysiologie, Justus-Liebig-Universität Gießen; und andere
Veröffentlichung Protist, DOI 10.1016/j.protis.2007.02.004
WWW:
Pflanzenphysiologie, Uni Leipzig
Institut für Botanik, Uni Gießen
Algen
Chromista
Endosymbiosis and The Origin of Eukaryotes
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