Posted in: Archäologie, Genetik 17. Juni 2007 13:32 Weiter lesen →

Forscher: Etrusker haben anatolische Wurzeln

Die Wurzeln der Etrusker liegen in Kleinasien. Für diese Theorie sprechen Erbgutvergleiche, die eine internationale Genetikergruppe angestellt hat. Männliche Einwohner der Toskana geben demnach DNA-Sequenzen an ihre Söhne weiter, wie sie andernorts nur im Südwesten der heutigen Türkei zu finden sind.

Dieser Befund bestätige die Ansicht des altgriechischen Geschichtsschreibers Herodot, erklärt Alberto Piazza von der Universität Turin. Demnach stammten die Ahnen der Etrusker aus der Region Lydien im westlichen Anatolien und seien durch eine Hungersnot zum Verlassen ihrer Heimat gezwungen worden. Mit dieser Sichtweise übereinstimmende Ergebnisse hatten Untersuchungen mütterlicherseits vererbter DNA und an Rindern ergeben.

Die Kultur der Etrusker lässt sich etwa ab dem neunten vorchristlichen Jahrhundert in Mittelitalien nachweisen. Unklar ist, in welchem Maße sie eine regionale Entwicklung war bzw. durch Zuwanderer aus Kleinasien oder Nordeuropa geprägt wurde. Piazza und Kollegen analysierten nun die Y-Chromosomen von 1.264 Männern aus verschiedenen Regionen Europas, darunter auch 263 Männer aus Murlo, Volterra und aus dem Casentino in der Toskana.

„Wir wussten bereits, dass die Einwohner dieser Gegend sich genetisch von denen der umliegenden Regionen unterscheiden“, erklärt Piazza. Wie der Forscher und seine Kollegen auf einer Fachtagung in Nizza berichten, kommen bestimmte Genvarianten im Erbgut der Toskana-Einwohner in einer Häufigkeit vor, wie sie auch im kleinasiatischen Raum beobachtet wird. „Insbesondere tritt eine in Murlo gefundene Variante sonst nur in der Türkei auf“, so der Forscher.

Insgesamt ähnelten die Proben aus der Toskana am ehesten jenen von der Ägäisinsel Lemnos, erklärt Piazza. Auf der Insel war eine steinerne Inschrift aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus entdeckt worden, deren Grammatik und Vokabular nach Ansicht von Linguisten auf eine enge Verwandtschaft mit der etruskischen Sprache hindeutet.

Viele etruskische Stätten seien seit der Eisenzeit durchgängig bewohnt worden, betont Piazza. Auch habe die Entwicklung der besonderen Kultur und Sprache der Etrusker lange vor den ersten schriftlichen Zeugnissen begonnen. Die neuen genetischen Befunde könnten helfen, mehr über das Geschehen in dieser prähistorischen Zeit zu erfahren.

Forschung: Alberto Piazza, Dipartimento di Genetica, Biologia e Biochimica, Università degli Studi di Torino; Ornella Semino, Dipartimento di Genetica e Microbiologia, Università degli Studi di Pavia; Luigi Luca Cavalli-Sforza, Genetics Department, Stanford University; und andere

Präsentation auf der European Human Genetics Conference 2007, Nizza; #C17

WWW:
Dipartimento di Genetica, Biologia e Biochimica, Uni Turin
Etrurien und die Etrusker
Das Rätsel der Etrusker

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Afrikanisches Erbgut bei britischen Eingeborenen

Posted in: Archäologie, Genetik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (1 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.