Schnellstraßen lassen Städte zerfließen
Freitag, 15. Juni 2007, 12:12 • Rubrik Klima, Umwelt, Soziales, Technik.
Gute Verkehrsverbindungen tragen im erheblichen Maße dazu bei, dass Großstädte förmlich zerfließen und sich ins Umland ausdehnen. Zu diesem Schluss kommt ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler. Jeder neue Highway, der direkt durch eine Stadt führt, geht demnach mit einem Rückgang der Innenstadtbevölkerung um gut 18 Prozent einher.
Diese Beobachtung helfe nicht nur, das Phänomen des “Urban Sprawl” in Nordamerika und Europa zu verstehen, ist Nathaniel Baum-Snow von der Brown University überzeugt. “Die in meiner Arbeit präsentierten Schätzungen sind sicherlich auch relevant und von praktischer Bedeutung für die gegenwärtige Verkehrswegeplanung in sich entwickelnden Ländern wie China und Indien.”
In den Vereinigten Staaten ist die Bevölkerung der Ballungsräume seit Mitte des 20. Jahrhunderts um insgesamt 72 gewachsen. Gleichzeitig ist die Einwohnerzahl der Innenstädte um 17 Prozent zurückgegangen. Frühere Studien hatten diese Zersiedelung im Zusammenhang mit Faktoren wie Grundstückspreisen, Telekommunikation und Kriminalität betrachtet. Baum-Snow analysierte nun das Wachstum von 139 Stadtregionen im Zeitraum 1950 bis 1990 vor dem Hintergrund jeweils neu angelegter Schnellstraßen.
Ohne das System der autobahnähnlichen Interstate-Highways wäre die Innenstadt-Bevölkerung in dem beobachteten Zeitraum nicht geschrumpft, sondern sgoar um acht Prozent gewachsen, schätzt der Forscher. Stadtplaner sollten seiner Ansicht nach stets bedenken, “dass der Bau eines Schnellstraßen-Systems durch städtische Gebiete das Potenzial hat, die Wahl des Wohnorts und die Landentwicklung auf dramatische Weise zu beeinflussen”.
Forschung: Nathaniel Baum-Snow, Department of Economics, Brown University, Providence, Rhode Island
Veröffentlichung Quarterly Journal of Economics, Vol. 122(2), pp 775-805, DOI 10.1162/qjec.122.2.775
WWW:
Homepage Nathaniel Baum-Snow
Das Highway-System
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