Abwehrzellen “narkotisieren” hyperaktive Kollegen
14. Juni 2007 15:52 Drucken
Bestimmte Zellen des Immunsystems dienen einzig und allein dazu, die Aktivität ihrer kämpferischen Vettern im Zaum zu halten. Wie genau sie das anstellen, haben Mainzer Mediziner herausgefunden. Die regulatorischen T-Zellen narkotisieren ihre Kollegen regelrecht, indem sie ihnen über winzige Membranöffnungen eine dämpfende Substanz verabreichen.
Ohne diese Regulation bestände die Gefahr, dass sich das Immunsystem nicht nur gegen Krankheitserreger, sondern häufig auch gegen den Körper selbst richtet. Die neuen Resultate könnten daher “neue Perspektiven für die Behandlung von Allergien und Autoimmunerkrankungen aufzeigen”, hofft Edgar Schmitt von der Universität Mainz. Zu letzteren gehören etwa Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Diabetes vom Typ 1.
Seit vielen Jahren ist bekannt, dass die regulatorischen T-Zellen direkten Kontakt mit ihren Zielzellen haben müssen, um ihre dämpfende Wirkung entfalten zu können. Schmitt und Kollegen fanden nun, dass die Regulatoren große Mengen von zyklischem Adenosinmonophosphat enthalten, kurz cAMP. Das Molekül ist bereits als Signalüberträger bei vielen zellulären Prozessen bekannt. Insbesondere drosselt es die Aktivität und die Teilungsrate von Immunzellen. Sobald ein Regulator Kontakt mit einer Zielzelle hergestellt hat, steigt auch deren cAMP-Gehalt deutlich an, berichten die Forscher im “Journal of Experimental Medicine”.
Tatsächlich scheint die dämpfende Substanz von den Regulatoren auf ihre Zielzellen übertragen zu werden, lassen die Versuche der Forscher vermuten. Gaben sie eine Substanz zu ihren Versuchsansätzen, die die Bildung molekularer Schleusen (gap junctions) zwischen Nachbarzellen unterdrückt, blieb der Anstieg der cAMP-Konzentration aus. Während viele andere Signalmoleküle durch das umgebende Medium von Zelle zu Zelle diffundieren, wird das cAMP der regulatorischen T-Zellen offenbar auf direktem Wege verabreicht.
Forschung: Tobias Bopp, Christian Becker und Edgar Schmitt, Institut für Immunologie und Hautklinik der Universität Mainz; und andere
Veröffentlichung Journal of Experimental Medicine, Vol. 204(6), pp 1303-10, DOI 10.1084/jem.20062129
WWW:
Institut für Immunologie, Uni Mainz
Wenn das Immunsystem verrückt spielt
Regulatory T Cells
Gap Junctions
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Krebsvirus macht Abwehrzellen anhänglich




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