Posted in: Astronomie, Physik 13. Juni 2007 11:33 Weiter lesen →

Materie hart an der Lichtgeschwindigkeit

Europäischen Astronomen ist es erstmals gelungen, die Geschwindigkeit der größten Explosionen im Universum zu messen. Ihre Beobachtungen mit einem automatisch reagierenden Teleskop lassen darauf schließen, dass die Materie bei diesen Gammastrahlungsausbrüchen mit über 99,999 Prozent der Lichtgeschwindigkeit ins All gestoßen wird.

Foto: Blick über das automatische Teleskop in den Nachthimmel: massiger, rötlicher Teleskopkörper auf einem Drehgestell

Das italienische REM-Teleskop bei der Europäischen Südsternwarte in Chile begann eine Minute nach Beginn der GRB mit seinen Beobachtungen. Foto: ESO/P.Aniol

Gamma-Ray-Bursts (GRB) dauern einige Sekunden bis Minuten und können kurzzeitig das gesamte Universum an Leuchtkraft übertreffen. Ihre Ursache wird im Kollaps bzw. in Kollisionen sehr massereicher Sterne vermutet. Den Anfang markiert ein Aufblitzen energiereicher Gammastrahlung, gefolgt von einem intensiver und rasch wieder schwächer werdenden Leuchten im Röntgen-, sichtbaren und Infrarotlicht.

Emilio Molinari vom Osservatorio Astronomico di Brera und seine Kollegen konnten nun erstmals bestimmen, wie stark Materie bei zwei solcher Explosionen beschleunigt wurde. Ihre Daten stammen von einem automatischen Teleskop, das – alarmiert von einem Satelliten in der Erdumlaufbahn – rasch herumgeschwungen war und 59 bzw. 64 Sekunden nach Ausbruchbeginn mit der Beobachtung des optischen Leuchtens begonnen hatte, noch vor Erreichen des Intensitätsmaximums.

Aus dem Verlauf der Messkurven schließen die Forscher, dass sich die Feuerbälle beider Explosionen mit 99,9997 Prozent der Lichtgeschwindigkeit ausbreiteten, mit beinahe 300.000 Kilometern pro Sekunde. Zwar könnten einzelne Partikel, beispielsweise Neutrinos, auf noch höhere Geschwindigkeiten beschleunigt werden, erklärt Molinaris Kollege Stefano Covino. Im Falle der beiden studierten GRB sei jedoch Materie vom 200fachen der Erdmasse im Spiel.

„Da möchte man lieber nicht im Weg stehen“, kommentiert Susanna Vergani von der Dublin City University, ebenfalls an den Messungen beteiligt. Die große Frage sei, was für ein „Motor“ Materie auf solche Energien bringen könne.

Forschung: Emilio Molinari und Stefano Covino, INAF-Osservatorio Astronomico di Brera, Merate; Susanna D. Vergani, Dunsink Observatory und School of Physical Sciences, Dublin City University, Dublin; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361:20077388; Preprint astro-ph/0612607

WWW:
Osservatorio Astronomico di Brera
Rapid Eye Mount
Gamma-Ray Bursts: Introduction to a Mystery
The Swift Gamma-Ray Burst Mission

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Sternkollaps am Rande des Universums
Stärkster Gammablitz registriert

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