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Finnwale nehmen Riesenschlucke

Montag, 11. Juni 2007, 10:13 • Rubrik Biologie.

Das zweitgrößte Tier der Erde nimmt den Mund extrem voll, um satt zu werden. Entsprechende Berechnungen haben kanadische und amerikanische Meeresbiologen angestellt. Finnwale nehmen demnach bis zu 70 Kubikmeter große “Schlucke” von Meerwasser, um kleine Krebse und Fische herauszufiltern.

“Das ist mehr als ihr eigenes Körpervolumen und entspricht in etwa dem eines Schulbusses”, erklärt Jeremy Goldbogen von der University of British Columbia. Möglich machten dies nicht nur extrem lange Kieferknochen, sondern auch die in Ziehharmonika-Falten gelegte Haut- und Speckschicht des Mauls.

Finnwale (Balaenoptera physalus) und andere Bartenwale filtern kleine Tiere mit Hilfe von Hornplatten am Oberkiefer aus dem Wasser. Eine frühere Studie der Forscher hatte gezeigt, dass die bis zu 22 Meter langen Säuger dabei nicht etwa gemächlich das Wasser durchkämmen. Vielmehr stürzen sie sich in Beuteschwärme und reißen dort ihr Maul auf.

“Die Mechanik dieses einzigartigen Verhaltens ähnelt dem Öffnen eines Fallschirms bei hoher Geschwindigkeit”, so Goldbogen. Große Mengen von Wasser samt Beute würden in das Maul gedrückt, blähten es auf wie einen Ballon und würden schließlich durch den Bartenfilter wieder herausgepresst. Der Biologe und seine Kollegen kombinierten Sensoraufzeichnungen solcher Überfälle und Messungen an Finnwal-Skeletten, um die dabei aufgenommene Wassermenge abzuschätzen.

Ausgehend von einer typischen Schwarmdichte, können die Wale mit einem Schluck zehn Kilogramm Krill erbeuten, kalkuliert die Gruppe. Um seine Körpermasse von über 40 Tonnen halten zu können, müsse ein Finnwal daher drei Stunden am Tag jagen, so Goldbogen. “Das entspricht ungefähr jener Zeit, die auch Menschen täglich für Kochen und Essen aufwänden.”

“Berücksichtigt man ihre Größe und ihre Beute, scheint das Schluckfiltrieren eine effiziente Strategie für diese Furchenwale zu sein. Damit stellt sich die Frage, welche Rolle es bei der Evolution der extremen Körpergröße gespielt hat.”

Forschung: Jeremy A. Goldbogen und Robert E. Shadwick, Department of Zoology, University of British Columbia, Vancouver; Nick Pyenson, Department of Integrative Biology und Museum of Paleontology, University of California, Berkeley

Veröffentlichung Marine Ecology Progress Series, M 7066 (im Druck)

WWW:
Homepage Jeremy Goldbogen
Bartenwale
Whale Tails
- Fine-toothed Comb

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