Posted in: Astronomie 7. Juni 2007 15:01 Weiter lesen →

Astronomen finden schwersten Stern

Den bislang massereichsten Stern glauben kanadische Astronomen entdeckt zu haben. Wie die Forscher auf einer Fachtagung in Kingston berichten, liegt der neue Rekordhalter in den südlichen Gefilden der Milchstraße und bringt es auf das 114fache der Sonnenmasse.

Panorama-Aufnahme von NGC3603 zeigt eine Ansammlung blau-weißlich strahlender Sterne, umgeben von orange-rötlichen Gasschwaden

Die Heimstatt der neuen Rekordhalter ist von ausgedehnten Gaswolken umgeben. Hintergrund: Wolfgang Brandner (JPL/IPAC), Eva K. Grebel (Univ. Washington), You-Hua Chu (Univ. Illinois Urbana-Champaign), and NASA; Einschub: A. Moffat et al./U Montréal

Der Riese bildet wiederum ein enges Paar mit einem weiteren Schwergewicht von etwa 84 Sonnenmassen, schließen Anthony Moffat und seine Kollegen von der Université de Montréal aus ihren Beobachtungen. Bislang habe kein Stern mit mehr als 83 Sonnenmassen verlässlich nachgewiesen werden können, so die Forscher.

Das Sternpaar trägt den wenig beeindruckenden Namen „A1“ und findet sich in einem Kugelsternhaufen, der gut 20.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt ist. Moffat und sein Team nutzten eines der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile und das Weltraumteleskop Hubble, um mehr über das Binärsystem herauszufinden.

Beide Sterne umkreisen sich demnach alle 3,8 Tage in extrem geringen Abstand. Bei diesem Tanz verschiebt sich ihre Strahlung mal zu kürzeren, mal zu längeren Wellenlängen. Zudem verschwinden die Sterne bei jedem Umlauf vorübergehend hinter ihrem Partner. Aus beiden Phänomenen konnten die Forscher auf die Orientierung des Binärsystems im Raum und auf die beteiligten Massen schließen.

Astronomen vermuten, dass es im heutigen Universum keine Sterne mit mehr als 150 Sonnenmassen gibt. Bei noch massereicheren Sternen sollte die Kernfusion im Sterninneren einen derartig hohen Strahlungsdruck produzieren, dass die eigene Schwerkraft den Stern nicht mehr zusammenhalten kann. Möglicherweise konnten die ersten, besonders metallarmen Sterne im Universum jedoch mehrere Hundert Sonnenmassen erreichen.

Forschung: Anthony Moffat, Nicole St-Louis, Olivier Schnurr, André-Nicolas Chené und Jules Casoli, Groupe d’Astrophysique, Departement de Physique de l’Université de Montréal, Montréal, Québec

Präsentation auf dem Annual Meeting of the Canadian Astronomical Society, Kingston

WWW:
Groupe d’Astrophysique, U Montréal
NGC 3603 – From Beginning To End
Die Sonne – ein ganz normaler Stern

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
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