Ötzi starb schnell

6. Juni 2007 12:05 Drucken

Der Mann aus dem Eis, besser bekannt als “Ötzi”, ist wahrscheinlich nicht allmählich, sondern sehr schnell verblutet. Zu diesem Schluss kommt eine italienisch-schweizerische Forschergruppe im “Journal of Archaeological Science”. Bei ihren Untersuchungen fanden sie eine Verletzung einer großen Schulterarterie, die binnen Minuten den Tod des jungsteinzeitlichen Eismannes nach sich gezogen haben dürfte.

“Ein solch klarer Nachweis einer tödlichen Gefäßverletzung an einem Körper aus dieser Zeit ist einmalig und hat im vorliegenden Fall zur Klärung dieses außergewöhnlichen Todesfalles beigetragen”, erklärt Frank Rühli von der Universität Zürich. Ötzi dürfte vor etwa 5.300 Jahren gestorben sein. Seine erstaunlich gut erhaltene Mumie war im Jahr 1991 in den Ötztaler Alpen an der österreichisch-italienischen Grenze gefunden worden.

Rühli und Kollegen untersuchten die Mumie mit einem Computertomografen, der den Körper in Form 0,75 Millimeter feiner Scheiben erfasste. Die Analyse des so erstellten, dreidimensionalen Modells zeigte, dass die Wand der linken Unterschlüsselbein-Arterie (Arteria subclavia) auf einer Länge von 13 Millimetern verletzt ist. Ursache ist die schon früher entdeckte, im Brustraum steckende Feuerstein-Pfeilspitze. Im umliegenden Gewebe konnten die Forscher zudem einen großen Bluterguss nachweisen.

Mangels moderner Behandlungsmethoden und angesichts der harschen Bedingungen in rund 3.200 Metern Höhe über dem Meeresspiegel müssten die massive Blutung und der resultierende Schock rasch zum Tod geführt haben, schreiben die Mediziner. Die Pfeilverletzung könne daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Todesursache gelten.

Die neuen Befunde erlaubten ein besseres Verständnis der Todesumstände und der Fundsituation, so Rühli weiter. Aufgrund früherer Untersuchungen, etwa des Darminhalts der Mumie, wird vermutet, dass Ötzi an seinem letzten Tag ins Tal abgestiegen und kurz darauf wieder in die Gebirgshochlagen aufgestiegen ist. Möglicherweise geriet er zwischenzeitlich in einen folgenschweren Streit mit Verwandten.

Forschung: Patrizia Pernter, Paul Gostner und Eduard Egarter Vigl, Radiologische Abteilung und Pathologisches Institut, Zentralkrankenhaus Bozen; Frank Jakobus Rühli, Anatomisches Institut und Swiss Mummy Project, Medizinhistorisches Institut der Universität Zürich

Veröffentlichung Journal of Archaeological Science, DOI 10.1016/j.jas.2006.12.019

WWW:
Anatomisches Institut, Uni Zürich
Südtiroler Archäologiemuseum
Gefrorene Zeugen - Ötzi und andere Eisleichen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ötzi war in Südtirol heimisch

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