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Antarktische Gletscher beschleunigen

5. Juni 2007 |

Die Fließgeschwindigkeit von Hunderten Gletschern der Antarktischen Halbinsel hat sich binnen zehn Jahren deutlich erhöht. Das berichten zwei britische Forscher im “Journal of Geophysical Research”. Ursache der Beschleunigung sind vermutlich die gestiegenen Durchschnittstemperaturen.

Satellitenaufnahme der Antarktischen Halbinsel; gebirgige, von Schnee und Eis bedeckte Landzunge mit zahlreichen Buchten, die sich in einen tiefblauen Ozean erstreckt; Eisberge, Wolken

Die Gletscher der Antarktischen Halbinsel scheinen auf den Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte zu reagieren. Bild: NASA Goddard Space Flight Center

“Die Antarktische Halbinsel hat einen der weltweit stärksten Temperaturanstiege erfahren - beinahe 3 Grad Celsius im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte”, erklärt Hamish Pritchard vom British Antarctic Survey in Cambridge. “In diesem Zeitraum haben sich 87 Prozent ihrer Gletscher zurückgezogen, und nun zeigt sich, dass sie auch beschleunigt haben.”

Pritchard und sein Kollege David Vaughan analysierten Messungen der beiden europäischen ERS-Erdbeobachtungssatelliten. Anhand der Daten berechneten die Forscher, wie schnell 300 bislang kaum studierte Gletscher aus dem Inneren der Antarktischen Halbinsel gen Meer fließen. Von 1993 bis 2003 hat sich die Flussgeschwindigkeit demnach um durchschnittlich 12 Prozent erhöht.

Wahrscheinlich bewirke die Erwärmung eine Ausdünnung im unteren Abschnitt der Gletscherzungen, so der British Antarctic Survey in einer Mitteilung. Indem der auf dem Meerwasser schwimmende Teil der Eiszunge dünner werde, reduziere sich auch der Auflagedruck auf dem felsigen Untergrund und damit die Reibung, die der Eisfluss überwinden müsse.

Ein ähnliches Verhalten war bereits an grönländischen Gletschern beobachtet worden. Bislang gibt es jedoch keine verlässliche Schätzung dazu, wie stark der antarktische Eisschild in Zukunft zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen wird. Die neuen Resultate und weitere systematische Studien mit Satellitendaten können helfen, diese Lücke zu schließen, so Pritchard. “Wenn wir verstehen, was gegenwärtig passiert, können wir umso eher die künftigen Geschehnisse vorhersagen.”

Forschung: Hamish Pritchard und David Vaughan, British Antarctic Survey, Cambridge

Veröffentlichung Journal of Geophysical Research

WWW:
British Antarctic Survey
Antarctic Peninsula
Retreating Glacier Fronts on the Antarctic Peninsula Over the Last Half-Century
Gletscher und Eisschilde
ERS Earthnet, ESA

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