Posted in: Astronomie 1. Juni 2007 16:42 Weiter lesen →

Drei Sternenströme entdeckt

Illustration: Blick aus der Ferne auf die Milchstraße als Scheibe mit Spiralarmen, darum herum winden sich im weiten Bogen drei hell gepunktete BänderDie Milchstraße springt nicht eben sanft mit ihren Begleiterinnen um. Ein amerikanischer Astronom hat gleich drei neue Sternenströme entdeckt, die sich im weiten Bogen über den Himmel ziehen. Wahrscheinlich handelt es sich um die Überreste einer Zwerggalaxie und zweier Kugelsternhaufen, die es im Schwerkraftgefälle der Galaxis förmlich zerrissen hat.

Illustration: NASA/JPL-Caltech/R. Hurt (SSC)

Jeff Grillmair vom California Institute of Technology hält es für plausibel, dass sich Tausende solcher Sternenströme um die Milchstraße winden. Zumindest die Außenbezirke unserer Heimatgalaxie könnten daher gewisse Ähnlichkeit mit einem Ballen Wolle aufweisen, so der Forscher. Seine Entdeckung präsentierte er auf der Tagung der American Astronomical Society auf Hawaii.

Grillmair nutzte die Daten des Sloan Digital Sky Survey – einer groß angelegten Durchmusterung des Nachthimmels, in deren Rahmen bislang gut 70 Millionen Sterne erfasst und zum Teil genauer vermessen worden sind. Anhand ihrer Helligkeit und Farbe sortierte der Forscher die Sterne in unterschiedliche Gruppen. Dabei zeichneten sich nach und nach die neuen Sternenströme ab.

Die drei Gebilde winden sich im Abstand von 13.000 bis 130.000 Lichtjahren um die Milchstraße. Zum Vergleich: Der Durchmesser der Galaxis beträgt etwa 100.000 Lichtjahre.

Zwei der Sternenströme dürften auf Kugelsternhaufen zurückgehen, vermutet Grillmair, der dritte dagegen auf eine Zwerggalaxie. Im Laufe von Milliarden Jahren dürften diese Objekte in die Länge gezogen worden sein, indem ihre etwas näher an der Milchstraße liegenden Sterne die Schwerkraft der großen Nachbarin stärker zu spüren bekamen und dadurch etwas stärker beschleunigt wurden.

Derzeit sind etwa 150 Kugelsternhaufen und 20 Satellitengalaxien in der Umgebung der Milchstraße bekannt. Den gängigen Theorien zufolge, sollte es jedoch Hunderte oder sogar Tausende solcher Begleiter geben, erklärt Grillmair. Die Existenz der Sternenströme könnte helfen, diese Diskrepanz zu erklären. Zudem liefere die Lage der Ströme Hinweise auf die Verteilung der – sichtbaren und „dunklen“ – Materie in der Galaxis.

Forschung: Carl J. Grillmair, Spitzer Science Center, California Institute of Technology, Pasadena

Präsentation auf dem 210th Meeting of the American Astronomical Society, Honolulu; #085.04

WWW:
Spitzer Science Center, Caltech
Tidal Stripping
The Milky Way Galaxy
Sloan Digital Sky Survey

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schnappschüsse der Milchstraße
Neuer Sternenstrom entdeckt

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