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Kinder haben ein gutes Zahlengefühl

30. Mai 2007 |

Kinder können Rechenaufgaben aus dem Bauch heraus lösen, noch bevor sie über das formelle mathematische Rüstzeug verfügen. Das berichten britische und amerikanische Forscherinnen im Magazin “Nature”. Ihrer Ansicht nach liefert diese Beobachtung eine mögliche Erklärung dafür, warum das Erlernen der Grundrechenarten häufig ein mühsamer Prozess ist.

“Die meisten Kinder brauchen Jahre, bis sie das exakte, ziffernweise Addieren und Multiplizieren beherrschen”, erläutern Camilla Gilmore von der University of Nottingham und ihre Kolleginnen. Umso skeptischer seien die Lehrer der Kinder vor Versuchsbeginn gewesen - und umso verblüffter angesichts des Vergnügens, mit dem die kleinen Probanden die Aufgaben intuitiv angegangen seien. Vielleicht liege das Problem darin, beim formellen Rechnen mit einer Genauigkeit arbeiten zu müssen, die über die des Bauchgefühl hinausgehe.

Die Forscherinnen präsentierten Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren eine Reihe von Aufgaben nach dem Muster: “Wenn Du 24 Aufkleber hast und ich Dir 27 weitere gebe, hast Du dann mehr oder weniger als 35 Aufkleber?” Obwohl die Aufgaben ihren Zahlenhorizont weit überstiegen, gaben die Kinder in 65 Prozent der Fälle die richtige Antwort - häufiger, als bei reinen Zufallstreffern zu erwarten. Wurde die Aufgabenstellung noch anschaulicher formuliert und bebildert, stieg die Trefferquote auf gut 73 Prozent.

Exakte oder gerundete Summen konnten die Kinder jedoch nicht nennen. Vielmehr scheinen ihre Fähigkeiten auf einer nicht-symbolischen Vorstellung von der Größe der Zahlen zu beruhen: Je größer der Unterschied zwischen der Summe und dem Vergleichswert war, desto eher nannten sie die korrekte Lösung. Umgekehrt sank ihre Trefferquote, wenn die Aufgaben statt einer Addition eine Subtraktion erforderten. Das gleiche Muster finde man auch bei Säuglingen und Tieren, so Gilmore und Kolleginnen.

Forschung: Camilla K. Gilmore, Learning Sciences Research Institute, University of Nottingham, Nottingham; Shannon E. McCarthy und Elizabeth S. Spelke, Department of Psychology, Harvard University, Boston, Massachusetts

Veröffentlichung Nature, Vol. 447, 31. Mai 2007, pp 589-91, DOI 10.1038/nature05850

WWW:
Learning Sciences Research Institute, University of Nottingham
Spelke Lab, Harvard University
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