Fingerlänge verrät schlummernde Talente
29. Mai 2007 |
Ob ein Kind eher zum Dichter oder zum Mathematiker tendiert, lässt sich anhand seiner Finger erahnen. Entsprechende Resultate hat ein britischer Psychologe im Rahmen einer kleinen Studie gewonnen. Jungen mit relativ langen Ringfingern können demnach besonders gut rechnen, während Mädchen mit markanten Zeigefingern eher sprachlich begabt sind.
Bindeglied zwischen Fingerlänge und Begabung sei das Hormonmilieu im Mutterleib, erläutert Mark Brosnan von der University of Bath. Hohe Testosteronspiegel begünstigten vermutlich die Entwicklung jener Gehirnbereiche, die mit räumlichem Denken und mathematischen Fähigkeiten in Verbindung ständen. Östrogen dagegen fördere Bereiche im Zusammenhang mit sprachlichen Fähigkeiten. “Interessanterweise geht man davon aus, dass diese Hormone auch die relative Länge von Zeige- und Ringfinger beeinflussen”, so der Forscher.
Brosnan vermaß die Hände von 75 Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren und berechnete das Längenverhältnis von Zeige- zu Ringfinger. Diese Werte verknüpfte er mit den Resultaten von Einschulungstests. Je länger der Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger war, desto stärker unterschieden sich die Testergebnisse für sprachliche und numerische Fähigkeiten, berichtet der Forscher im “British Journal of Psychology”.
Jungen konnten umso besser mit Zahlen umgehen, je länger ihr Ringfinger war - entsprechend hohen Testosteronspiegeln im Mutterleib. Umgekehrt erzielten die Mädchen umso bessere Resultate im sprachlichen Bereich, je länger ihr Zeigefinger im Vergleich zum Ringfinger war.
Vielleicht könne die Vermessung der Finger helfen, Begabungen oder Entwicklungsstörungen zu erkennen und mit einer frühzeitigen Förderung zu beginnen, so Brosnan. Einen ausführlichen Test wie den vor der Einschulung könne sie jedoch nicht ersetzen. Immerhin hatte der Forscher bei einer früheren Untersuchung an Erwachsenen entdeckt, dass das Verhältnis der Fingerlängen mit der eingeschlagenen Karriere variiert.
Forschung: Mark J. Brosnan, Department of Psychology, University of Bath
Online-Veröffentlichung British Journal of Psychology, DOI 10.1348/000712607X197406
WWW:
Homepage Mark Brosnan
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