Männer erklären ihre Schmerzen besser
Mittwoch, 23. Mai 2007, 18:07 • Rubrik Medizin, Psychologie.
Wenn es um die Behandlung komplexer Kopfschmerzen geht, sind Männer im Vorteil. Bei ihnen fällt den Ärzten die Diagnose leichter, weil Männer ihre Schmerzen wesentlich konkreter beschreiben als Frauen. Das ermittelte eine Forschergruppe um Florian Menz vom Institut für Sprachwissenschaft an der Universität Wien.
Die Forscher analysierten rund 100 Gespräche, die männliche und weibliche Schmerzpatienten mit ihren Ärztinnen und Ärzten geführt hatten. Die Gespräche waren in der Kopfschmerzambulanz am AKH Wien auf Tonband und Video aufgezeichnet worden.
“Frauen schildern ihren Schmerz eher unspezifisch und weniger ausführlich”, hat Menz beobachtet, “und fokussieren dabei oftmals auf die Alltagssituationen, in denen der Schmerz auftrat. Dies entspricht jedoch nicht den Anforderungen von Medizinern an eine Schmerzbeschreibung, die während ihrer Laufbahn eine stark symptomorientierte Sprache entwickeln. Männer hingegen schildern ihre Schmerzen sehr konkret und eben symptomorientiert, was den medizinischen Diagnoserastern sehr entgegenkommt und die Verständigung erleichtert.”
Untersucht wurde auch, wie die Betroffenen ihre Schmerzen beschrieben, wenn keine Mediziner anwesend waren. “Dadurch war es uns auch möglich zu erkennen, dass Frauen ihre Beschwerden speziell nur gegenüber Ärztinnen und Ärzten eingeschränkt kommunizieren”, berichtet Projektmitarbeiterin Johanna Lalouschek. Sie hat bei den Patientinnen eine Sprachbarriere ausgemacht. Ohne Mediziner “sind diese Frauen offener und geben viel mehr von ihrem Schmerz preis”, so Lalouschek.
Nach Meinung der Sprachwissenschaftler kommt es zu Missverständnissen, weil Mediziner primär an der Schmerzanalyse interessiert sind. Die Patientinnen dagegen, die häufig eine langjährige Erfahrung mit den eigenen Schmerzen hätten, würden lieber Behandlungsalternativen in den Vordergrund stellen. Hier erfülle das Arztgespräch oftmals nicht die Erwartungen der Patientinnen, die in die Entscheidungsfindung eingebunden werden wollten.
Mit ihrer Untersuchung wollen die Sprachforscher Ärzte sensibilisieren. Die detaillierten Forschungsergebnisse werden auf dem Anfang Juni in Wien stattfindenden “International Congress of Gender Medicine” präsentiert.
Forschung: Prof. Florian Menz u.a., Institut für Sprachwissenschaft, Universität Wien
Institut für Sprachwissenschaft
International Congress of Gender Medicine
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