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Flüchtige Händigkeit

11. Mai 2007 | Druckversion

Ob Eiweißbausteine oder Zucker - viele Moleküle gibt es in zwei spiegelbildlichen Formen, von denen Organismen aber nur eine nutzen. Diese Händigkeit des Lebens könnte sich durch etwas Nachhilfe aus dem Weltraum erklären, haben niederländische Chemiker am Beispiel von Aminosäuren beobachtet. Aus Gemengen der beiden Formen geht die eine leichter in den gasförmigen Zustand über als die andere.

Wenn ein Meteorit in die Atmosphäre eintrete, könne daher eine Aminosäure-Form bevorzugt in die Luft übergehen, während die andere durch die starke Hitzeentwicklung zerstört werde, vermuten die Forscher um Ben Feringa von der Rijksuniversiteit Groningen. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Chemical Communications”.

Feringa und seine Gruppe studierten das Verhalten von Gemengen, die sowohl die “linkshändige” als auch die “rechtshändige” Form der Aminosäure Leucin enthielten. Die vom irdischen Leben bevorzugte L-Variante war darin minimal stärker vertreten. Wurden die Gemenge niedrigen Drücken und mäßig hohen Temperaturen ausgesetzt, ging die L-Form deutlich leichter in die Gasphase über als die D-Form.

Eine denkbare Erklärung für dieses Phänomen für dieses Verhalten sei, dass zwischen L- und D-Form einer Aminosäure möglicherweise stärkere Kräfte wirkten als zwischen Aminosäuren nur einer Form, schreiben die Forscher.

Unter dem Einfluss polarisierter Strahlung hätten Aminosäuren bereits im All leichte “Schlagseite”, so Feringa und Kollegen weiter. Wiederholte Übergänge von Feststoff zu Gasphase und zurück könnten dieses Ungleichgewicht massiv verstärken. Und da die junge Erde viele Milliarden Tonnen Aminosäuren aus dem All aufgelesen habe, könnte der kosmische Rohstoff die Händigkeit des Lebens beeinflusst haben.

Forschung: Stephen P. Fletscher, Richard B.C. Jagt und Ben L. Feringa, Department of Organic Chemistry and Molecular Inorganic Chemistry, Stratingh Institute, Rijksuniversiteit Groningen

Online-Veröffentlichung Chemical Communications, DOI 10.1039/b702882b

WWW:
Feringa Lab, Groningen
Chiralität
Aminosäuren

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