Posted in: Astronomie 9. Mai 2007 19:01 Weiter lesen →

„Glimmender“ Exoplanet entdeckt

Sollten Raumfahrer jemals einen 260 Lichtjahre entfernten Planeten erreichen, würde sich ihnen ein unwirklicher Anblick bieten. Wie amerikanische Astronomen im Magazin „Nature“ berichten, scheint der Exoplanet die einfallende Strahlung seines Sterns sofort wieder als Wärmestrahlung abzugeben. Daher sollte er stellenweise glühen.

Der ferne Planet mit der Bezeichnung HD 149026b war im Jahr 2005 entdeckt worden. Seine Umlaufbahn liegt in der Sichtlinie zur Erde, sodass er regelmäßig vor seinem Stern herzieht bzw. hinter diesem verschwindet. Joseph Harrington von der University of Central Florida und seine Kollegen nutzten das Weltraumteleskop Spitzer, um eine solche „Planetenfinsternis“ zu studieren.

Die Forscher beobachteten, wie die von dem Planet stammende Infrarotstrahlung bei dem Ereignis verschwand und wieder auftauchte. Anhand ihrer Messungen schätzen sie, dass jener Bereich des Planeten, über dem der Stern im Zenit steht, eine Temperatur von rund 2.000 Grad Celsius aufweist. Würde der Planet von der Strahlung gleichmäßig aufgeheizt, sollte der Wert gut 500 Grad niedriger liegen – und das auch nur für den Fall, dass er die Strahlung wie eine Kugel aus Ruß vollständig absorbieren und nichts davon reflektieren würde.

Tatsächlich könnte HD 149026b sämtliche einfallende Strahlung schlucken, vermuten die Astronomen. Die absorbierte Energie scheint jedoch nicht über größere Bereiche der Kugel verteilt, sondern in einem kleinen Gebiet in Wärme umgewandelt und als Wärmestrahlung wieder abgegeben zu werden. „Diese enorme Hitze würde den Planeten leicht glühen lassen“, erklärt Harrington. „Daher würde er wie ein Stück Kohle im All erscheinen – sämtliches einfallendes Licht absorbierend und zugleich schwach rot glühend.“

Der Zusammensetzung seines Sterns nach zu urteilen, dürfte HD 149026b reich an Metallen und anderen schweren Elementen sein. Diese Elemente und ihre Verbindungen, beispielsweise Titan- und Vanadiumoxid, könnten eine exotische Atmosphärenchemie bedingen und so die ungewöhnlichen optischen Eigenschaften erklären, vermuten die Forscher.

Forschung: Joseph Harrington, Department of Physics, University of Central Florida, Orlando, und Center for Radiophysics and Space Research, Cornell University, Ithaca, New York; und andere

Online-Veröffentlichung Nature, 9. Mai 2007, DOI 10.1038/nature05863

WWW:
Homepage Joseph Harrington, University of Central Florida
Extrasolar Planets Encyclopaedia
HD 149026
Feuer und Glut – der Schwarze Körper
Schwarzkörperstrahlung
Spitzer Space Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Heiße Nächte auf fernen Planeten
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