Posted in: Astronomie 3. Mai 2007 20:01 Weiter lesen →

Merkur birgt einen flüssigen Kern

Der Kern des Merkur besteht, ähnlich wie der der Erde, zum Teil aus geschmolzenem Gestein. Darauf deuten ausgeklügelte Beobachtungen amerikanischer und russischer Planetenforscher hin. Indem sie den innersten Planeten des Sonnensystems als gigantische Discokugel behandelten, konnten sie aus minimalen Schwankungen seiner Eigendrehung auf den inneren Aufbau schließen.

Zeichnung zeigt einen teilweise aufgeschnittenen Merkur mit tiefbrauner, felsiger Kruste und orange-rotem 'Mark' vor tiefschwarzem Hintergrund

Unter der harten Schale des Merkur scheint sich ein weicher Kern zu verbergen. Grafik: Courtesy Nicolle Ragger Fuller, National Science Foundation

Dieses Resultat helfe, die Entstehung und Entwicklung von Planeten zu verstehen, schreiben die Forscher um Jean-Luc Margot von der Cornell University im Magazin „Science“. Bestände der Kern des Merkur aus reinem Eisen, sollte er längst vollständig erstarrt sein. Da dies offenbar nicht der Fall sei, müsse er einen schwefeligen Rohstoff-Mix aus unterschiedlichen Teilen des jungen Sonnensystems enthalten.

Merkur umrundet die Sonne alle 88 Tage auf einer stark elliptischen Bahn. Indem die Schwerkraft der Sonne an seiner nicht perfekt kugelförmigen Gestalt angreift, bremst bzw. beschleunigt sie die Eigendrehung des Planeten abwechselnd. Im Falle einer starren Kruste, die sich gegen ein teilweise flüssiges Inneres drehen kann, sollte der zu beobachtende Effekt relativ ausgeprägt sein. Tatsächlich schwankt die Rotationsgeschwindigkeit um gut 0,03 Prozent und damit zweimal stärker, als im Falle einer massiven Kugel zu erwarten.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren schickten Margot und Kollegen mehrmals lange Radarpulse zum Merkur. Ähnlich wie eine sich drehende Discokugel, reflektierte die Planetenoberfläche mit ihren Erhebungen und Vertiefungen die Strahlung nicht völlig gleichmäßig. Anhand der Art und Weise, wie die resultierenden „Strahlungsflecken“ verschiedene Radioteleskope auf der Erde streiften, konnten die Forscher daher sehr genau berechnen, wie schnell sich der Planet gerade drehte.

Der teilweise geschmolzene Kern könnte das schwache Magnetfeld erklären, dass die Sonde Mariner 10 Mitte der 70er-Jahre gemessen habe, so die Astronomen. Nähere Einsichten erhoffen sie sich von der Messenger-Sonde, die Merkur Anfang nächsten Jahres erstmals passieren und im Jahr 2011 endgültig in eine Umlaufbahn um die ausgedörrte Welt einschwenken soll.

Forschung: Jean-Luc Margot, Department of Astronomy, Cornell University, Ithaca, New York; Stanton J. Peale, Department of Physics, University of California, Santa Barbara; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 316, 4. Mai 2007, pp 710-4, DOI 10.1126/science.1140514

WWW:
Homepage Jean-Luc Margot
Mercury
Messenger

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Warum der Merkur klein blieb
Messenger: Merkursonde ist auf dem Weg

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