Posted in: Astronomie 2. Mai 2007 18:15 Weiter lesen →

Dreifacher Babyboom im Kugelsternhaufen

Kugelsternhaufen, dichte Schwärme aus Hunderttausenden Sternen, haben möglicherweise eine turbulentere Jugend als bislang angenommen. Eine internationale Astronomengruppe hat entdeckt, dass ein besonders massiver Vertreter in der kosmischen Nachbarschaft der Erde gleich drei Generationen von Sternen beherbergt – und nicht nur eine.

Aufnahme des Kugelsternhaufens zeigt einen zum Zentrum hin immer dichter werdenden Schwarm heller Lichtpunkte; darüber gelegt ein Diagramm von Helligkeit und Farbe der einzelnen Sterne mit drei eingezeichneten Regressionskurven

Der Kugelsternhaufen NGC 2808 scheint einen dreifachen Babyboom erlebt zu haben. Aufnahme: European Space Agency, NASA, G. Piotto (University of Padua, Italy) and A. Sarajedini (University of Florida, USA). Acknowledgement: Davide de Martin (ESA/Hubble); Diagramm: M. Kornmesser, L. L. Christensen (ESA/Hubble)

„Die übliche Vorstellung von einem Kugelsternhaufen ist, dass all seine Sterne zur gleichen Zeit entstanden sind, am gleichen Ort und aus dem gleichen Material“, erklärt Luigi Bedin von der Europäischen Südsternwarte in Garching. Die neuen Resultate stellten diese Ansicht ebenso infrage wie zahlreiche Erkenntnisse, die auf der vermuteten Einheitlichkeit der großen Gebilde basierten.

Die Gruppe um Giampaolo Piotto von der Universität Padua nutzte das Weltraumteleskop Hubble, um den Kugelsternhaufen NGC 2808 im Sternbild des Schiffskiels (Carina) unter die Lupe zu nehmen. Gut 13 Milliarden Jahre alt, umfasst der Riese aus der Frühzeit der Milchstraße schätzungsweise eine Million Sterne. Gemessen an ihrer Helligkeit und Farbe, scheinen diese in drei Wellen über einen Zeitraum von 200 Millionen Jahren entstanden sein. Jede Generation ist etwas stärker bläulich gefärbt als die vorherige, berichten die Forscher demnächst im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

Eine mögliche Erklärung für die Verfärbung sei, dass die jüngeren Sterne zunehmend „Asche“ frühzeitig explodierter Vettern enthielten. Die Schockwellen eben dieser Supernova-Explosionen könnten das Haufengas verdichtet und so den nächsten Babyboom ausgelöst haben. Umgekehrt sei es wohl nur der immensen Schwerkraft des gesamten Haufens zu verdanken, dass die Strahlung der ersten Sterngeneration das Gas nicht in alle Winde zerstreut habe.

Forschung: Giampaolo Piotto, Dipartimento di Astronomia, Università di Padova; Luigi R. Bedin, European Southern Observatory, Garching; Ivan R. King, Department of Astronomy, University of Washington, Seattle; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal Letters; Preprint astro-ph/0703767v1

WWW:
Globular Cluster Group, Uni Padua
Sternhaufen
Hubble

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Stellare Vampire

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