Top

MS immer häufiger bei Frauen

27. April 2007 |

Seit langem wissen Mediziner, dass mehr Frauen als Männer an Multipler Sklerose erkranken. Dieser Kontrast scheint sich mit der Zeit zu verschärfen, berichten amerikanische Forscher auf einem Neurologenkongress in Boston. Betrug das Geschlechterverhältnis in den 40er-Jahren noch etwa 2:1, lag es zum Jahrtausendwechsel bereits bei 4:1.

Diese Zahlen bestätigten die Resultate einer früheren kanadischen Studie, erklären Gary Cutter von der University of Alabama in Birmingham und seine Kollegen. Über die Gründe für die Verschiebung könne man derzeit aber nur spekulieren. Nun gelte es, “generell zu hinterfragen, was Frauen anders als Männer tun” und wie sich die Lebensweise in den letzten Jahrzehnten verändert habe, so der Statistiker. Darunter falle die Verwendung bestimmter Körperpflegeprodukte und Verhütungsmittel ebenso wie veränderte Ernährungsgewohnheiten.

Bei der Multiplen Sklerose (MS) greift das Immunsystem die “Isolierschicht” von Nervenfasern an und stört so die Signalweiterleitung im Zentralnervensystem. Zwar führt die Erkrankung nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen zu schwer wiegenden Behinderungen. Allein der unregelmäßige, schubweise Verlauf, den sie mitunter nimmt, stellt jedoch eine massive Belastung dar. Allein in Deutschland wird die Zahl der mit MS lebenden Menschen auf über 100.000 geschätzt.

Cutter und Kollegen analysierten Daten von über 30.000 US-amerikanischen Patienten, die sich in ein großes Register eingetragen hatten. Unter Berücksichtigung des Alters zum Zeitpunkt der Diagnose und des Diagnosejahres ermittelten die Forscher, dass der Anteil weiblicher Patienten im Zeitraum 1940 bis 2000 jedes Jahr um 4,6 Prozent gestiegen war. Diese Verschiebung zeigte sich in allen Altersgruppen, besonders ausgeprägt war sie jedoch bei jenen Patienten, bei denen die Krankheit in jungen Jahren festgestellt worden war.

Forschung: Gary Cutter und Rajani Yadavalli, Department of Biostatistics, School of Public Health, University of Alabama, Birmingham; und andere

Präsentation auf dem 59th Annual Meeting of the American Academy of Neurology, Boston; #P04.068

WWW:
Department of Biostatistics, UAB
Deutsche Multiple-Sklerose-Gesellschaft
NARCOMS

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mögliche Verbindung zwischen Aluminium und Multipler Sklerose
Schützt Vitamin D vor Multipler Sklerose?
Rauchen erhöht Risiko für Multiple Sklerose

Bottom