Posted in: Biologie, Psychologie 26. April 2007 18:01 Weiter lesen →

Hunde äffen nicht nach

Wenn Hundebesitzer Skepsis im Blick ihrer Lieblinge zu sehen glauben, liegen sie vielleicht nicht ganz falsch. Für diese Vermutung sprechen Experimente Wiener Forscherinnen. Dabei ahmten Hunde eine Handlung nicht bedingungslos nach, sondern nur dann, wenn sie ihnen als zwingend notwendig zum Erreichen eines Ziels erschien.

„Diese Resultate offenbaren eine interessante Ähnlichkeit zwischen Hunden und menschlichen Kleinkindern“, schreibt die Gruppe um Friederike Range von der Universität Wien im Fachblatt „Current Biology“. Frühere Studien hätten keine Hinweise auf ein derartiges, schließendes Nachahmen bei Schimpansen gefunden.

Range und Kolleginnen wiederholten ein Experiment, das eine ungarisch-deutsche Forschergruppe vor einigen Jahren angestellt hatte. Dabei sahen 14 Monate alte Kleinkinder, wie eine Person mit der Stirn auf eine Kiste drückte, die daraufhin aufleuchtete. Die Kinder imitierten diese Handlung nur dann bereitwillig, wenn die Hände der Person frei gewesen waren und genauso gut auf die Kiste hätten drücken können. Hatte die Person dagegen während der Kopfbewegung eine Decke festgehalten, benutzten die kleinen Probanden wie selbstverständlich ihre Hände.

Bei Ranges Versuch beobachteten zwei Gruppen von 19 bzw. 21 Hunden, wie eine Hündin mit der Pfote einen Holzstab bewegte, um an eine versteckte Leckerei zu kommen. Bei den Vorführungen für die erste Gruppe hatte das Weibchen nichts, bei denen für die zweite Gruppe dagegen einen Ball im Maul. Später selbst mit der Apparatur konfrontiert, nutzten über 80 Prozent der Tiere der ersten Gruppe ebenfalls die Pfote. Die der zweiten Gruppe dagegen, nahmen den Stab in knapp 80 Prozent der Fälle ins Maul – ähnlich häufig wie Kontrolltiere, die keine Vorführung gesehen hatten.

„Soweit wir wissen, liefern diese Daten die ersten Belege für ein folgerndes, selektives Nachahmen bei Tieren“, schreiben Range und Kolleginnen. Eine denkbare Erklärung für die große Ähnlichkeit zwischen Haushund und Mensch sei das lange Zusammenleben beider Arten.

Forschung: Friederike Range und Ludwig Huber, Department für Neurobiologie und Kognitionsforschung, Universität Wien; Zsófia S. Viranyi, Konrad-Lorenz-Institut for Evolution and Cognition Research, Altenberg, und Department of Ethology, Eötvös University, Budapest

Online-Veröffentlichung Current Biology, 27. April 2007

WWW:
Neurobiologie und Kognitionsforschung, Uni Wien
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