Posted in: Astronomie, Geologie 19. April 2007 20:01 Weiter lesen →

Asteroid wird kräftig durchgeschüttelt

In einer Müslitüte wandern die Nüsse mit der Zeit nach oben, während die kleinen Haferflocken nach unten sinken. Ähnliche Prozesse sind auf einem Asteroiden am Werk, hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. Vermutlich angetrieben durch Erschütterungen von Einschlägen, werden auf dem kleinen Asteroiden Itokawa Gesteinsbrocken nach ihrer Größe sortiert.

Modell von Itokawa, unterteilt in viele farbig markierte Facetten, zeigt die Wanderungsrichtung und 'Hangabtriebskraft' in den einzelnen Regionen des knollenförmigen Asteroiden

Durch Vibrationen kurzzeitig „verflüssigt“, folgt das Geröll auf Itokawa dem kombinierten Zug von Schwerkraft und Zentrifugalkraft. Dabei werden die Gesteinsbrocken nach ihrer Größe sortiert. Bild: University of Tokyo/University of Aizu/Kobe University/Planetary Science Institute/University of Michigan/JAXA>

Kleine Kiesel wandern allmählich in die Senken und gen Zentrum des knollenförmigen Asteroiden, während größere Steine und massive Felsblöcke in den Höhenlagen zurückbleiben, berichten die Forscher um Hideaki Miyamoto von der Universität Tokyo. Insgesamt zu 40 Prozent hohl und damit eher an eine 550 Meter lange Geröllhalde erinnernd, könnte Itokawa auf diese Weise ein vergleichsweise kompaktes Inneres entwickelt haben.

Miyamoto und seine Kollegen analysierten Daten der Sonde Hayabusa. Der „Falke“ hatte Itokawa im Herbst 2005 erreicht und nach eingehender Musterung zwei Landemanöver absolviert. Währenddessen machte er hochauflösende Aufnahmen, die selbst zentimetergroße Kiesel zeigen. Demnach steht keiner der größeren Gesteinsblöcke so, dass er bei einer Erschütterung umkippen könnte. Auch liegt kein Kiesel auf einem größeren Block – zumindest nicht, ohne durch andere Brocken in dieser Lage stabilisiert zu werden.

Weitere Auffälligkeiten bekräftigten die Vermutung, dass die Geröllmassen Itokawas immer wieder durch Erschütterungen „verflüssigt“ werden. Naheliegende Ursache solcher Vibrationen seien Einschläge, so die Forscher: Schon beim Aufprall eines einen Zentimeter großen Objekts werde der kleine Asteroid derart durchgeschüttelt, dass Partikel an seiner Oberfläche vorübergehend die geringe Schwerkraft überwinden könnten.

Forschung: Hideaki Miyamoto, The University Museum, Departments of Earth and Planetary Science und Geosystem Engineering, University of Tokyo, und Planetary Science Institute, Tucson, Arizona; Sho Sasaki, National Astronomical Observatory of Japan, Oshu; und andere

Veröffentlichung Science Express, DOI 10.1126/science.1134390

WWW:
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