Posted in: Psychologie, Sexualität 13. April 2007 20:51 Weiter lesen →

Gesichter erregen Männer

Männern wird mitunter nachgesagt, dass sie bei Frauen nur auf Busen und Po schauen. Dieser Vorwurf ist möglicherweise etwas ungerecht: Ein amerikanisches Forscherduo hat ermittelt, dass Männer beim Anblick erotischer Fotos nicht häufiger als Frauen auf die Geschlechtsorgane schauen.

Im Gegenteil bleibt der männliche Blick besonders häufig an den Gesichtern der Fotografierten hängen, haben Heather Rupp und Kim Wallen von der Emory University ermittelt. Bei Frauen scheint das Blickverhalten davon abzuhängen, ob sie die Pille nehmen oder nicht, berichten die Forscher im Fachblatt „Hormones and Behavior“.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass sich sexuelle Reize bei Männern und Frauen unterschiedlich auf die Gehirnaktivität und den subjektiv empfundenen Erregungszustand auswirken. Um mehr über dieses Phänomen zu erfahren, legten Rupp und Wallen 15 Männern sowie je 15 hormonell verhütenden und nicht verhütenden Frauen freizügige Fotografien vor. Gleichzeitig registrierten sie minutiös, auf welchen Bildteilen der Blick der Probanden wie häufig und wie lange ruhte.

Zwischen den beiden Frauen-Gruppen hätten sich deutliche Unterschiede abgezeichnet, erläutert Rupp. „Jene Frauen, die hormonelle Verhütung betrieben, schauten eher auf die Genitalien, während die nicht verhütenden Frauen ihre Aufmerksamkeit stärker auf kontextuelle Elemente der Fotos richteten“. Frauen der zweiten Gruppe hätten beispielsweise häufiger und länger auf Kleidungsstücke oder Bildhintergrund geschaut.

Die neuen Resultate könnten verstehen helfen, warum Männer beim Anblick erotischer Fotos eine relativ starke Aktivierung der Mandelkerne zeigten, glauben Rupp und ihr Kollege. Diese beiden Gehirnregionen sind unter anderem damit beschäftigt, in eingehenden Sinnesreizen nach Hinweisen auf potenzielle Bedrohungen zu suchen. Ein entsprechendes Signal könne auch im unverwandten Blick eines Gegenübers liegen, so die Forscher.

Forschung: Heather A. Rupp und Kim Wallen, Department of Psychology und Center for Behavioral Neuroscience, Emory University, Atlanta, Georgia, und Kinsey Institute for Research in Sex, Gender and Reproduction, Indiana University, Bloomington

Veröffentlichung Hormones and Behavior, Vol. 51(4), pp 524-33, DOI 10.1016/j.yhbeh.2007.01.008

WWW:
Homepage Heather Rupp, Indiana University
Homepage Kim Wallen, Emory University
Eye Tracking
The Amygdala and Its Allies

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Rasante Hirnreaktion auf Erotik
Wo Männer und Frauen Stress erwarten
Viel Weiß, viel Angst

Posted in: Psychologie, Sexualität
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (1 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.