Menschen streben nach Ausgleich
11. April 2007 19:01 Drucken
Wenn in der Legende Robin Hood das Geld der Reichen unter den Armen verteilt, folgt er womöglich einem tief verwurzelten menschlichen Antrieb. Eine amerikanisch-deutsche Forschergruppe hat beobachtet, dass Menschen selbst dann nach ausgeglichenen Verhältnissen streben, wenn dies Kosten für sie bedeutet und keinen unmittelbaren Nutzen mit sich bringt.
Letztlich könnte dieses Streben nach Gleichheit jedoch merklichen Einfluss auf das menschliche Verhalten haben, glauben die Forscher um James Fowler von der University of California, San Diego. “Einer der Gründe, warum wir kooperieren, könnte sein, dass wir um Gleichzeit bemüht sind.”
Die Forscher ließen 120 Studierende ein schlichtes Computerspiel spielen. Diese bildeten immer neue Vierergruppen, in denen jedem einzelnen Teilnehmer rein zufällig eine Gewinnsumme zugesprochen wurde. Jedes Gruppenmitglied sah die Gewinnsummen seiner drei Mitspieler und konnte diese auf eigene Kosten steigern oder senken. Von dieser Möglichkeit machten die Teilnehmer reichlich Gebrauch, berichten Fowler und Kollegen im Magazin “Nature”.
Rund drei Viertel aller Mitspieler erhöhten oder reduzierten die Gewinne ihrer Mitspieler mindestens einmal. Dabei wurden besser bzw. schlechter Verdienende umso stärker geschröpft oder unterstützt, je stärker ihre Gewinnsummen abwichen: Pro Gewinneinheit über bzw. unter dem Gruppenmittel erhielten sie von ihren Mitspielern typischerweise einen Abzug von 0,74 bzw. einen Aufschlag von 0,83 Einheiten.
Nach jeder Spielrunde wurden die Vierergruppen neu zusammengestellt, sodass kein Spieler zweimal mit einem anderen zusammenkam. Zudem war den Teilnehmern klar, dass die Gewinne rein zufällig verteilt wurden. Dennoch empfanden einige Teilnehmer einen regelrechten Zorn auf vom Glück reichlich bedachte Mitspieler und erwiesen sich im Spiel als besonders “straffreudig”, ermittelten Fowler und Kollegen. “Diese Daten lassen vermuten, dass soziale Ungleichheit negative Gefühle weckt, die wiederum zur Reduktion oder Aufbesserung des Einkommens Anderer motiviert”, schließen die Forscher.
Forschung: Christopher T. Dawes und James H. Fowler, Department of Political Science, University of California, San Diego; Tim Johnson, Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, und Department of Political Science, Stanford University, Kalifornien; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 446, 12. April 2007, pp 794-6, DOI 10.1038/nature05651
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