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Parasit lässt Nager gefährlich leben

Dienstag, 3. April 2007, 7:01 • Rubrik Biologie, Medizin.

Ein einzelliger Parasit nimmt Mäusen und Ratten die Scheu vor Katzenurin. Dabei geht der unliebsame Mitbewohner mit erstaunlichem Fingerspitzengefühl vor, berichten amerikanische Forscher in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Sämtliche übrigen Ängste der Nager, ob angeboren oder erlernt, lässt er unangetastet.

Bilderserie zeigt die Ausbreitung von fluoreszierenden Toxoplasma-Zellen im Körper von Ratten, beginnend unmittelbar nach der Infektion, endend 21 Tage später: Die Erreger breiten sich zunächst im Bauchraum aus und wandern dann schnauzenwärts, bis sie schließlich nur noch im Kopf nachweisbar sind und schließlich auch dort 'verstummen'

Einige Toxoplasma-Zellen, hier sichtbar gemacht durch fluoreszierende Proteine, wandern nach der Infektion ins Gehirn des Wirtes. Zwar “verstummen” sie schließlich, ihr subtiler Einfluss hat jedoch Bestand. Bilder: Vyas et al./Copyright PNAS

Auf diese Weise erhöhe der Parasit Toxoplasma gondii die Wahrscheinlichkeit, dass seine Zwischenwirte von Katzen gefressen werden, schreiben die Forscher um Ajai Vyas und Robert Sapolsky von der Stanford University. Davon profitiere er, weil er sich erst im Katzendarm geschlechtlich fortpflanzen kann.

Mit dem Kot ausgeschieden, kann die resultierende Nachkommenschaft über Wasser und Nahrung wiederum von Nagern und auch vom Menschen aufgenommen werden. In diesen Wirten wandern einige Parasiten ins Gehirn und kapseln sich ein. Die Zysten haben subtilen Einfluss auf das Verhalten infizierter Nager, fanden die Forscher mit einer ganzen Batterie von Tests heraus.

Setzten sie Ratten oder Mäuse in eine kreisförmige Testarena, in der zwei Viertel mit Luchs- bzw. Hasenurin markiert waren, hockten Kontrolltiere lediglich 10 Prozent der Zeit in dem nach Katze und 23 Prozent der Zeit in dem nach Hase riechenden Bereich. Auf infizierte Tiere schien der Katzengeruch dagegen relativ anziehend zu wirken: bei ihnen betrugen die Werte knapp 17 und 10 Prozent.

Unabhängig von einer Infektion, zeigten jedoch alle Nager eine ähnlich starke Aversion gegen offene Flächen. Auch lernten und vergaßen sie gleich gut, Töne mit elektrischen Schlägen in Verbindung zu bringen oder schwimmend eine verborgene Plattform zu finden. Appetit und Geschlechtstrieb der infizierten Tiere waren ebenfalls unverändert, berichten Vyas und Kollegen. Die neuen Resultate zeigten, dass die Toxoplasma-Zysten Präzisionsarbeit leisteten. Wie genau sie das bewerkstelligten, sei jedoch rätselhaft.

Forschung: Ajai Vyas, Seon-Kyeong Kim, Nicholas Giacomini, John C. Boothroyd und Robert M. Sapolsky, Department of Biological Sciences und Department of Microbiology and Immunology, Stanford University, Stanford, Kalifornien

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 104(15), 10. April 2007, pp 6442-7, DOI 10.1073/pnas.0608310104

WWW:
Department of Biological Sciences, Stanford University
Toxoplasma gondii
Parasiten

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